Allergien vorbeugen

Viele frühere Verbote gelten als überholt

Kinder sollten nicht zu keimfrei aufwachsen um Allergien vorzubeugen

Viele Jahre lang haben Experten den Eltern geraten, ihre Kinder vor Staub und Keimen, Pollen und Tierhaaren, vor Schmutz und Infektionen zu schützen. Inzwischen hat sich gezeigt, dass zu viel Schonung das Immunsystem eher schwächt und oft das Gegenteil bewirkt: Kinder, die zu „sauber“ aufwachsen sind anfälliger für Infektionen und bekommen auch häufiger eine Allergie. Der Grund: In den ersten Lebensmonaten wird das Immunsystem trainiert. Muss es sich mit allerlei Viren, Bakterien oder Parasiten auseinandersetzen, konzentriert es sich mehr auf deren Bekämpfung. Fehlt ihm dieses Training, reagiert es leichter auch auf andere, für den Körper sonst harmlose Substanzen mit Abwehrreaktionen.

Deshalb haben sich die Experten auf eine neue Vorgehensweise zur Allergieprävention geeinigt, die sich von vielen früheren Verboten radikal verabschiedet:

  • Für Beschränkungen von Nahrungsmitteln in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Belege. Schwangere sollten sich daher nach Lust und Laune, aber möglichst ausgewogen ernähren.
  • Fisch ist kein Tabu mehr, im Gegenteil: Fischkonsum in der Schwangerschaft und Stillzeit und während des ersten Lebensjahrs des Babys schützt vermutlich sogar vor Allergien.
  • In den ersten vier Monaten sollten Babys ausschließlich gestillt werden. Danach dürfen sie essen, was ihnen gut bekommt.
  • Maßnahmen zur Verringerung der Hausstaubmilben werden nicht mehr empfohlen.
  • Auch der Hund oder ein anderes Haustier darf bleiben! Neuere Studien haben ergeben, dass Hunde in der Familie das Risiko eines Kindes für Neurodermitis sogar um 28 Prozent senken, das von Asthma um 23 Prozent. In Familien ohne Vorbelastung (sie besteht, wenn mindestens ein Elternteil und/oder Geschwister Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis haben) gibt es also keinen Grund mehr, auf ein Haustier zu verzichten.
  • Babys, die mit Kaiserschnitt geboren wurden, haben ein höheres Allergierisiko. Wenn nichts dagegen spricht, sollten sich Frauen zu einer Entbindung auf dem natürlichen Wege entschließen.
Zuletzt überprüft am 6. Juli 2016