ALS DIABETIKER SICHER REISEN

Insulin ist empfindlich gegenüber niedrigen und hohen Temperaturen

In Deutschland leben rund sechs Millionen Zuckerkranke. Viele von ihnen schrecken vor Ausflügen oder gar größeren Reisen zurück: Sie fürchten sich vor krankheitsbedingten Komplikationen. In der Tat haben Diabetiker auf Reisen mehr zu bedenken als gesunde Touristen. Aber bei guter Einstellung und gründlicher Vorbereitung steht heute die Welt auch ihnen offen.

Am häufigsten sind Diabetiker auf Reisen durch Komplikationen gefährdet, die auch unter normalen Bedingungen auftreten können, nämlich durch Unter- bzw. Überzuckerung (Hypo- und Hyperglykämie). Eine gefährliche Unterzuckerung kann z. B. durch intensive körperliche Belastung im Urlaub, infolge der Zeitverschiebung oder durch Erbrechen entstehen.

Die Vorbeugung gegen gefährliche Pannen beginnt aber bereits beim Kofferpacken. Um dem Verlust von Medikamenten und Hilfsmitteln vorzubeugen, empfiehlt es sich, die doppelte Menge der notwendigen Materialien und Medikamente an zwei verschiedenen Orten im Handgepäck zu transportieren. Insulin ist empfindlich gegenüber niedrigen und hohen Temperaturen und sollte deshalb nach Möglichkeit nicht im Fluggepäck aufgegeben werden: Es könnte durch die frostigen Temperaturen im Gepäckraum des Flugzeugs Schaden erleiden. Ebenso wenig sollte es auf der – mitunter stark von Sonne aufgeheizten – Ablage unter dem Rückfenster des Autos oder zuoberst im Kofferraum gelagert werden.

Bei Langstreckenflügen müssen insulinpflichtige Diabetiker bei der Verabreichung ihres Insulins die Zeitverschiebung beachten (das gilt nicht bei Nord-Süd-Flügen, bei denen der Reisende in derselben Zeitzone bleibt). Die größte Gefahr einer Hypoglykämie besteht nach Langstreckenflügen während der ersten Nacht nach der Zeitverschiebung. Hier wähnt sich der Patient in Sicherheit, weil er den Flugstress überstanden hat. Jetzt sind eine zusätzliche Blutzuckerkontrolle vor dem „Erschöpfungsschlaf“ sowie gegebenenfalls die zusätzliche Aufnahme von Kohlehydraten erforderlich.

Diabetiker, die ohne Insulin, also lediglich mit Tabletten und einer Diät auskommen, sollten sich rechtzeitig über die Essgewohnheiten in ihrem Urlaubsland informieren. Wichtig ist auch die Mitnahme von Austausch-Tabellen über den Kohlenhydratgehalt von exotischen Früchten und Gemüsesorten, damit die üblichen Mengen auch am Urlaubsort eingehalten werden können. Da die meisten Cafés und Restaurants zum Kaffee nur Zucker anbieten, gehört auch Süßstoff in die stets griffbereite Handtasche. Wenn man die traditionellen Speisen am Urlaubsort und ihre Zusammensetzung nicht kennt, sollte man den Blutzuckerspiegel häufiger als zuhause kontrollieren.

Bei Reisen mit dem Auto sollten Diabetiker immer einige Tabletten Traubenzucker im Handschuhfach mit sich führen, damit sie bereits beim ersten Anzeichen einer Unterzuckerung sofort gegensteuern können. Wichtig sind auch gut passendes Schuhwerk und Badeschuhe für den Strandurlaub. Sie helfen, Fußverletzungen zu vermeiden, die bei Zuckerkranken besonders unangenehme Folgen haben können.

Zuletzt überprüft am 10. August 2016