Cranberry Schützt vor Harnwegsinfekten nach Operationen

Die Wirkung der Cranberry-Kapseln ist vergleichbar mit der präventiven Einnahme von Antibiotika nach Operationen

Entzündungen der Harnwege sind die mit Abstand häufigsten Krankenhausinfektionen. Solche „nosokomialen“ Infektionen ziehen sich besonders häufig Frauen zu, die nach einem gynäkologischen Eingriff einen Blasenkatheter eingesetzt bekommen. Einer amerikanischen Studie zufolge bieten Kapseln mit Cranberry-Saft einen ähnlich effektiven Schutz vor derartigen Infektionen wie Antibiotika.

Harnwegsinfekte sind fast so häufig und mindestens genauso unangenehm wie Erkältungen. Allerdings sind Männer eher selten davon betroffen – als Babys kurz nach der Geburt oder aber im Alter, wenn die Prostata zu wuchern beginnt. Für Frauen dagegen sind Infekte der Harnwege eine regelrechte Plage: Mädchen erkranken daran bereits in den ersten 18 Lebensjahren achtmal häufiger als Jungen. Noch ausgeprägter zeigt sich dieser Unterschied bei jungen Erwachsenen: Im Alter zwischen 18 und 33 Jahren sind Frauen 25-mal häufiger von einem Harnwegsinfekt betroffen als Männer.

Das Leiden äußerst sich typischerweise durch ebenso häufigen wie plötzlichen Harndrang; er duldet keinen Aufschub, obwohl nur wenige Tröpfchen Urin entleert werden können. Das Wasserlassen schmerzt, brennt oder sticht und verursacht leichte Krämpfe im Schambereich. Die Schmerzen können bis in den Unterleib oder gar in den Rücken ausstrahlen.

Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Gynäkologen, Urologen und Infektionsmediziner halten Antibiotika für die Behandlung eines akuten Harnwegsinfekts als Mittel der Wahl. Allerdings haben in den vergangenen Jahren immer mehr Keime Resistenzen gegen die einst schlagkräftigen Medikamente entwickelt. Daher gewinnt die Suche nach neuen Therapieformen an Dringlichkeit.

Eine wirkungsvolle Alternative zur Antibiotikagabe bieten spezielle Zubereitungen aus Cranberry (Vaccinium macrocarpon). Die „Großfrüchtige Moosbeere“ oder Kranbeere wird oft fälschlicherweise als Preiselbeere bezeichnet; tatsächlich ist sie eine Verwandte unserer Heidelbeere. Die in Nordamerika beheimatete Pflanze verfügt über verschiedene gesundheitlich förderliche Effekte.

Hinweise für die Schutzwirkung von Cranberrys gegen Harnwegsinfekte fanden sich bereits in mehreren Studien. So verringerte sich bei amerikanischen Frauen, die 12 Monate lang ein Cranberry-Extrakt zu sich nahmen, das Risiko für das erneute Auftreten einer Harnwegsinfektion um 39 Prozent. Die leuchtend roten Beeren verdanken ihre Farbe dem hohen Gehalt an Proanthocyanidinen. Diese sekundären Pflanzenstoffe besitzen eine ausgesprochen starke antioxidative Wirkung. Sie heften sich an die Oberfläche der Harnwege und verhindern so, dass sich Bakterien an die Blasen- oder Harnröhrenwand anlagern.

Wissenschaftler der Universität Michigan stellten jetzt die erste randomisierte doppelblinde placebokontrollierte Studie über die therapeutische Wirkung von Cranberry-Saft zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten nach operativen Eingriffen vor.

Ein Team von Wissenschaftlern um die Epidemiologin Professor Dr. Betsy Foxmann untersuchte die therapeutischen Effekte von Cranberrys gegen Harnwegsinfektionen bei Frauen, die sich einer gynäkologischen Operation unterziehen mussten. An der Studie nahmen 160 Patientiennen im Alter zwischen 23 und 88 Jahren teil. Die Hälfte von ihnen erhielt nach dem Eingriff sechs Wochen lang zweimal täglich zwei Kapseln mit Cranberry-Saft; die übrigen Frauen bekamen ein gleich aussehendes Placebo-Präparat.

Das Ergebnis der Studie, die von den unabhängigen „National Instituts of Health“ finanziert wurde, war überraschend eindeutig: Während von den 80 Patientinnen der Placebo-Gruppe 30 Frauen im Verlauf der sechswöchigen Beobachtung an einem Harnwegsinfekt erkrankten, traf es von den 80 mit dem Pflanzenextrakt behandelten Frauen nur 15. Das entspricht der Halbierung des Risikos, resümiert Professor Betsy Foxmann und stellt fest: „Die Wirkung der Cranberry-Kapseln ist vergleichbar mit der präventiven Einnahme von Antibiotika nach Operationen“.

In den Wintermonaten werden auch hierzulande amerikanische Cranberrys als Frischobst angeboten. Verdünnten und gesüßten Cranberry-Saft findet man als Fruchtsaftgetränk im Lebensmittelhandel. Der unverdünnte Saft, der leicht bitter schmeckt, ist eher in Reformhäusern, Bioläden und Apotheken zu bekommen. In Form von Tabletten, Kapseln und Pulver sind Cranberry-Produkte als Nahrungsergänzungsmittel im Handel.

Quelle: Foxman B. et al. Cranberry juice capsules and urinary tract infection after surgery: results of a randomized trial. Am J Obstet Gynecol 2015; 213:194.e1-8.

Zuletzt überprüft am 3. Juli 2016