Kurzes Gehen gleicht langes Sitzen aus

Schutz vor gefährlichen Schäden, die an den Beingefäßen

Es gibt einen triftigen Grund, im Büro mal den Schreibtisch zu verlassen, die Beine zu vertreten, sich einen Kaffee zu holen oder zum Kopierer zu laufen: Schon ein kurzer Gang von fünf Minuten Dauer bietet einen nachweislichen Schutz vor gefährlichen Schäden, die an den Beingefäßen bereits nach einer Stunde Sitzen im Bürostuhl entstehen. Das fanden Experten der Indiana University in Bloomington heraus.

Die Forscher ließen für ihre Studie zunächst elf gesunde Männer drei Stunden lang still sitzen. In der zweiten Phase des Experiments durften die  Probanden während eines dreistündigen Sitzens dreimal aufstehen und eine kurze Laufpause im gemütlichen Tempo auf einem Laufband einlegen. Die Gehpausen fanden jeweils nach einer halben Stunde, nach eineinhalb Stunden und nach zweieinhalb Stunden statt. Während beider Phasen des Experiments wurde der Blutfluss durch die Beinarterie mittels einer Blutdruckmanschette und eines speziellen Ultraschallverfahrens (fluss-mediierte Vasodilatation) ermittelt.

Das Ergebnis war eindeutig: Bereits nach einer Stunde Stillsitzens war die Fähigkeit der Gefäße, sich bei stärkerem Blutfluss auszudehnen, um 50 Prozent verringert. Durften die Probanden indes schon nach der ersten halben Stunde eine fünfminütige Gehpause einlegen, kam es nicht zu dieser Beeinträchtigung der Gefäßfunktionen. Die Wirklichkeit sieht aber bisher anders aus. Repräsentative Studien zeigen, dass 43,4 Prozent der erwachsenen Personen in Deutschland mindestens sechs Stunden am Tag und damit länger als der europäische Durchschnitt im Sitzen verbringen.

 

Zuletzt überprüft am 3. Juli 2016