Artischocke

Artischocke

Artischocken werden seit dem Mittelalter erfolgreich zur Linderung von Verdauungsstörungen (dyspeptische Beschwerden) und Lebererkrankungen genutzt. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten die überlieferten Heilwirkungen der Pflanze bestätigen und klarer zuordnen: Extrakte aus Artischockenblättern fördern die Gallensekretion; dadurch wirken sie Blähungen, Völlegefühl, Fettunverträglichkeit, krampfartigen Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Brechreiz entgegen.

Die heutige Artischocke ist eine Züchtung aus der wilden Artischocke, die auch unter dem Namen Kardone bekannt ist. Mit ihrem bis zu zwei Meter hohen, aufrechten Stängel und den spitzen, mit Stacheln bewehrten Blättern ähnelt sie einer mächtigen Diestel. Ihre auffallend großen, violetten Blütenstände werden neuerdings in Blumenläden angeboten; ihr eigentlicher Wert liegt jedoch in ihrem fleischigen Boden: Er wurde schon im antiken Griechenland und im alten Rom als Edelgemüse genutzt. So beschreibt schon Theophrastus im 4. Jahrhundert vor Christus die Artischocke als „eine Pflanze, deren Kopf besonders angenehm ist, gekocht oder roh verzehrt, besonders aber zur Blütezeit.“ Der Blütenstandboden ist reich an Inulin, das als löslicher Ballaststoff die Verdauung anregt und dafür sorgt, dass andere Kohlehydrate aus der Nahrung langsamer ins Blut übergehen – ein Vorteil für Diabetiker. Davon abgesehen, enthalten die Blütenköpfchen jedoch kaum arzneilich wirksame Substanzen.

 

Wirkung und Anwendung:
Im Herbst, wenn die als Gemüse begehrten Blütenstände abgeerntet sind, werden die Blätter der Artischocke gesammelt. Denn sie enthalten die arzneilich wertvollen Wirkstoffe. Darunter finden sich Vertreter dreier Stoffklassen: Verbindungen der Kaffee- und Chinasäure, Flavonoide sowie Bitterstoffe. Artischocken-Flavonoide, allen voran der gelbe Pflanzenfarbstoff Luteolin, hemmen die Synthese von Cholesterin in den Leberzellen und fördern gleichzeitig seine Ausscheidung. Zusätzlich wirken die Flavonoide – ebenso wie diverse Kaffessäurederivate wie Cynarin – antihepatotoxisch, d.h. sie stimulieren die Fähigkeit der Leber, Giftstoffe unschädlich zu machen. Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlaktone, darunter vor allem das stark bitter schmeckende Cynaropikrin, reizen die Geschmacksnerven und fördern so eine vermehrte Ausscheidung von Verdauungssäften.

Teezubereitungen aus getrockneten Artischockenblättern stimulieren durch ihren hohen Gehalt an Bitterstoffen die Galleproduktion und fördern die Fettverdauung. Sie können bei leichten Verdauungsproblemen hilfreich sein. Auch in alkoholhaltigen Getränken werden Artischocken verarbeitet und sind, etwa im italienischen „Cynar“ als Digestiv beliebt.

Zur Senkung des Cholesterinspiegels und der Blutfettwerte bei Hyperlipoproteinämien und Fettstoffwechselstörungen müssen die Wirkstoffe allerdings in deutlich höheren Konzentrationen vorliegen als in Tees oder Drinks. Hier kommen hochdosierte und standardisierte Artischockenblätter-Extrakte zur Anwendung, deren Wirksamkeit in sorgfältigen klinischen Studien belegt wurde.

 

Zu beachten:
Artischocken gehören zu den Korbblütlern, einer Pflanzenfamilie mit hohem allergisierendem Potential. Obwohl allergische Reaktionen bislang nur bei direktem Hautkontakt mit frischen Pflanzen beobachtet wurden, lassen sich atopische Reaktionen auf Artischockenblätter-Extrakte nicht ausschließen. Personen, die auf Korbblütler allergisch reagieren, sollten solche Präparate vorsichtshalber meiden.

In folgenden Präparaten enthalten: Hepar Sl forte (Casella-med).

Zuletzt überprüft am 12. Juli 2016