KATZENBART SCHÜTZT DIE BLASE VOR INVASIVEN BAKTERIEN

Die Heilpflanze wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend

Die Arzneipflanze Orthosiphon aristatus, auch Katzenbart  oder Javatee genannt, wurde in Europa erst Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt. In ihren Ursprungsländern Java, Indien und Malaysia dagegen werden ihre Blätter schon lange bei Blasen- und Nierenleiden medizinisch genutzt. Aktuellen Studien gelang jetzt zu entschlüsseln, welcher Mechanismus sich hinter der schmerzlindernden und entzündungshemmenden Wirkung der Heilpflanze verbirgt.

Die getrockneten Blätter von Orthosiphon werden traditionell als Tee zubereitet. Ihre Trockenextrakte werden auch in Arzneimittelzubereitungen wie Tabletten oder Kapseln in den Apotheken angeboten. Die Kommission E und die EU-Behörde ESCOP
befürworten die Anwendung von Orthosiphonblättern zur Durchspülung bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege sowie zur Behandlung von Harn- und Nierengrieß.

Überraschenderweise konnte die früher angenommene entwässernde Wirkung von Orthosiphon in aktuellen Studien bei gesunden Probanden nicht bestätigt werden, berichtete Professor Dr. Andreas Hensel, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Universität Münster, auf einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin (KFN) in München. Forscher haben deshalb versucht zu erkunden, welche andere Mechanismen den traditionellen Einsatz der Heilpflanze bei unkomplizierten Infekten der Harnwege begründen könnten.

Die Suche verlief erfolgreich: Man fand sowohl unter in vitro und in vivo Bedingungen, also bei Zellkulturen ebenso wie im lebendigen Organismus, stark „antiadhäsive“ Effekte des Pflanzenextrakts. Unter „Adhäsion“ versteht man die Eigenschaft von Bakterien, sich an die Schleimhautoberflächen von Blase und Harnröhre zu heften und so die Zellen zu infizieren. Die Wirkstoffe von Orthosiphon bilden eine Art Schutzschicht auf der Oberfläche des Blasengewebes: Sie hemmen die Adhäsionsmoleküle von Bakterien und Viren und erschweren so den Erregern, sich an den Grenzflächen anzuheften und so die Zellen zu befallen.

„Tatsächlich zeigten sich teils hochsignifikante Reduktionen der bakteriellen Besiedlung im Blasengewebe“, berichtete Andreas Hensel in München und fügte hinzu: „Spannend war auch der Befund, dass das Aufsteigen der Infektion in das Nierengewebe durch den Orthosiphon-Extrakt signifikant reduziert wurde und teilweise sogar gar nicht stattfand. Aus diesen Befunden kann gefolgert werden, dass der antiadhäsive Effekt von Orthosiphonextrakt tatsächlich das Ausmaß einer Harnwegsinfektion durch Bakterien positiv beeinflussen kann“.

Quellen:

Sarshar S, Asadi Karam MR, Habibi M, Bouzari S, Brandt S, Hensel A (2016) Zytoprotektive und antiadhäsive Effekte eines wässrigen Extraktes aus Blättern von Orthosiphon stamineus BENTH. Gegen uropathogene E. coli. Jahrestagung der Gesellschaft für Phytotherapie, 2 bi2 4. Juni 2016, Bonn

Hensel A. Vortrag KFN-Pressekonferenz 14. September 2016, München

Zuletzt überprüft am 15. Oktober 2016