Blasenschwäche Harninkontinenz

Blasenschwäche

Der Tag, an dem ein Kind keine Windeln mehr braucht, ist ein wichtiger Meilenstein auf seinem Weg zur Selbstständigkeit. Verständlich daher, dass es erwachsenen Menschen große Probleme bereitet, wenn sie plötzlich wieder Schwierigkeiten bei der Harnkontrolle bekommen. Oft handelt es sich dabei zwar nur um eine vorübergehende  Störung, die Angst vor der Reaktion der Umwelt und vor einem möglicherweise schleichenden Verlust der Selbstständigkeit macht aber selbst aus einer harmlosen Blasenschwäche ein ernstes Problem.

Schwierigkeiten bei der Harnkontrolle sind weit verbreitet, man schätzt, dass etwa jeder zehnte Erwachsene davon betroffen ist. In jüngeren Jahren leiden Frauen unter Blasenschwäche und Blasenentzündungen häufiger als Männer, später gleicht sich es aus. Das hängt vor allem mit den unterschiedlichen anatomischen Beschaffenheit von Männern und Frauen in diesem Bereich zusammen. Für die Blasenkontrolle muss bei einem Mann genauso wie bei einer Frau die Muskulatur des Beckenbodens ständig eine bestimmte Spannung aufrechterhalten. Da die Muskeln des Beckenbodens mit den Schließmuskeln der Ausscheidungsorgane eng zusammenhängen, müssen sie sich beim Wasserlassen oder Stuhlgang auch gemeinsam gezielt entspannen und dann wieder anspannen können. Wird die Beckenbodenmuskulatur schwächer, kann sie diese Aufgaben nicht mehr einwandfrei erfüllen.
Die häufigste Ursache für Probleme mit der Harnkontrolle ist eine Erschlaffung der Muskulatur des Beckenbodens. Vor allem während einer Schwangerschaft, besonders aber bei einer Geburt wird der Beckenboden einer Frauen stark beansprucht, was dazu führen kann, dass dann im Alltag der Reflex, der den Beckenboden in Spannung hält, nicht mehr einwandfrei funktioniert. Frauen passiert es manchmal schon in jüngeren Jahren, dass sie bei  größeren Anstrengungen wie dem Tragen von Lasten, aber auch beim Husten, Lachen oder Hüpfen Urin verlieren (Inkontinenz).
Zu Problemen mit der Wasserausscheidung kommt es auch, wenn sich in der Harnblase Steine befinden, oder wenn eine Blasenentzündung (Zystitis) vorliegt. Im Unterschied zu einer funktionellen Blasenschwäche gehen aber diese Erkrankungen mit Krämpfen und Schmerzen im Unterleib einher und sind bei der Blasenentzündung auch mit Brennen beim Wasserlassen verbunden.

Welche Therapien gibt es:
Gegen eine funktionelle Blasenschwäche hilft am besten gezieltes Training. Beckenbodengymnastik ist für Mann und Frau gleichermaßen geeignet und wirksam oft auch bei schweren Fällen. Die Übungen sind außerdem einfach und lassen sich im Alltag leicht ausführen. Um etwas zu bewirken, müssen sie aber mehrmals am Tag über einen längeren Zeitraum geübt werden. Erlernen sollte man sie allerdings unter einer sachkundigen Anleitung z.B. bei einer Krankengymnastin. Beckenbodengymnastik eignet sich auch zur Prävention, um einer Erschlaffung der Muskulatur vorzubeugen. In einigen physiotherapeutischen und orthopädischen Praxen wird außerdem die Vibrationstherapie durchgeführt, bei der mit Hilfe von Geräten die Muskulatur gestärkt wird.
Stress und seelische Belastungen machen sich auch an der Harnblase bemerkbar. Da aber Probleme mit der Harnkontrolle ihrerseits auch einen erheblichen Stress erzeugen, kann hier leicht ein Teufelskreis entstehen. Um ihn zu unterbrechen, aber auch als eine Ergänzung anderer therapeutischen Maßnahmen, sind gezielte Entspannungsübungen sinnvoll.  In keinem Fall sollten die Betroffene aber aus Angst vor Urinverlust das Trinken einschränken. Auf die Dauer verschlimmert es das Grundleiden und gefährdet die Nieren.
Treten neben Problemen mit Harnkontrolle noch Krämpfe und Schmerzen auf, muss ein Arzt abklären, ob nicht Harnsteine oder eine Blasenentzündung die Ursache dafür sind. Je früher es geschieht, desto kleiner wird die Gefahr, dass auch die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden.

Was sollte man im Alltag beachten:
Es gibt eine besondere Form der Blasenentzündung, die in der Fachsprache “Honeymoon-Syndrom“ oder auch „Flitterwochen-Zystitis“ heißt. Es handelt sich dabei um Beschwerden von jungen Frauen, die als eine Folge ungewohnten intensiven Geschlechtsverkehrs auftreten. In der Regel werden sie durch harmlose Infektionen ausgelöst und können genauso wie Harnwegsinfektionen behandelt werden.

 

Zuletzt überprüft am 11. Juli 2016