Schlafstörungen Insomnie

Schlafstörungen

Ob jemand unter behandlungsbedürftigen Schlafstörungen leidet, hängt nicht unbedingt von seiner Schlafdauer ab. Schlaf kann man sehr unterschiedlich erleben: Für manche Menschen ist er ein Genuss, für andere nur eine Zeitverschwendung. Für jeden aber ist ein gesunder Schlaf eine wichtige Voraussetzung  für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Die wachsende Flexibilität der Arbeitswelt und die große Mobilität in der Freizeit führen jedoch bei vielen zu unregelmäßigen Schlafzeiten und verkürzter Schlafdauer. Immer mehr Frauen und Männer klagen deshalb über Schlafprobleme. Ob allerdings jemand unter einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung leidet, hängt nicht unbedingt von seiner Schlafdauer ab. Wirklich gut geschlafen hat nicht derjenige, der lange schlief, sondern der, der am Morgen mühelos aufwacht und tagsüber leistungsfähig bleibt.

In den letzten Jahren hat die Wissenschaft über den Schlaf viele neue Erkenntnisse gewonnen. Sie zeigen, dass man Schlafqualität vor allem am Erholungsgrad eines Menschen am Tag messen muss. Das Schlafbedürfnis kann nämlich von Natur aus sehr unterschiedlich sein: Manche Menschen brauchen nicht mehr als 6 Stunden pro Nacht, andere sind fix  und fertig, wenn sie nicht ihre üblichen 9 Stunden geschlafen haben. Mit der Zeit verändert sich außerdem das Schlafbedürfnis, im Alter geht es bei den meisten zurück. Jede Schlafdauer zwischen 4 und 10 Stunden pro Nacht kann daher, wenn man tagsüber fit bleibt, individuell gesund sein.
Aus Experimenten weiß man außerdem, dass gesunder Schlaf kein passiver Zustand ist, sondern ein aktiver Prozess, der mehrere Phasen durchläuft. Wer gesund schläft, bei dem wechseln sich mehrmals pro Nacht zwei Formen des Schlafs ab: der Traumschlaf (REM-Schlaf) und der Tiefschlaf. Der Tiefschlaf kommt vor allem dem Körper zugute, vom Traumschlaf profitiert dagegen das Gehirn besonders stark. In der Traumphase wiederholt nämlich das Gehirn alles, was man am Tag erlebt und gelernt hat und speichert es im Langzeitgedächtnis ab.

Welche Therapien gibt es:
Schlafprobleme machen sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar. Am häufigsten leiden Betroffene unter Einschlafschwierigkeiten. Sie liegen im Bett, sind müde und können trotzdem nicht einschlafen. Oft liegt die Ursache nur an ungünstigen Rahmenbedingungen. Ein unbequemes Bett, eine zu hohe Raumtemperatur oder Lärm können das Einschlafen genauso erschweren, wie zu voller Magen oder seelischer Stress. Außerdem gibt es zum Einschlafen günstige und weniger günstige Zeiten. Bei den meisten Menschen besteht die höchste Schlafbereitschaft zwischen 22 Uhr und Mitternacht. Seelische Belastungen sind die häufigste Ursache für Durchschlafprobleme.
Hartnäckige Schlafprobleme können allerdings auch eine Folge einer organischen Erkrankung sein oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten. Genauso wie chronische Tagesmüdigkeit, die trotz ausreichender Schlafdauer auftritt, sollte man es unbedingt von einem Arzt abklären lassen.
Zur medikamentösen Behandlung von Schlafproblemen gibt es grundsätzlich drei Kategorien von Schlafmitteln: chemische Hypnotika oder Sedativa und pflanzliche Präparate. Hypnotika sind starke Psychopharmaka, die wegen ihrer gefährlichen Nebenwirkungen rezeptpflichtig sind. Obwohl sie den Schlaf in jedem Fall erzwingen, sind sie zur Behandlung von Schlafstörungen eigentlich nicht geeignet. Nachdem man solche Mittel genommen hat, schläft man zwar zuverlässig ein, wird aber hinterher – ähnlich wie nach einer Narkose – nicht unbedingt munterer. Solche Mittel verändern nämlich ungünstig das Schlafprofil, gut ausgeschlafen ist man aber nur dann, wenn neben der Schlafdauer auch das Schlafprofil stimmt. Außerdem machen sie süchtig, man darf sie also in keinem Fall ohne Pause länger als zwei Wochen nehmen.
Die chemischen Sedativa, die man rezeptfrei in der Apotheke bekommt, gehören alle zu den sogenannten Antihistaminika und sind ursprünglich zur Behandlung von Allergien entwickelt worden. Die beruhigende Wirkung, die sie über das zentrale Nervensystem ausüben, war ursprünglich nur ein unerwünschter Nebeneffekt gewesen. Auch sie verändern das Schlafprofil, wenn auch schwächer als Hypnotika. Und auch sie sind nicht für eine längere Behandlung geeignet – alleine weil sich die Wirkung nach einer gewissen Zeit umkehren kann und man dann ohne Medikamente gar nicht mehr schläft. Je nach Präparat können sie außerdem Mundtrockenheit, Verstopfung, oder Probleme beim Wasserlassen verursachen oder den Augeninnendruck erhöhen (Glaukom).
Pflanzliche Präparate haben, wie die meisten Naturheilmittel, dagegen den Vorteil, dass sie weitgehend frei sind von unerwünschten Nebenwirkungen. Sie eignen sich deshalb auch für eine längere Anwendung. Sie wirken zwar schwächer als chemische Sedativa, sind aber – wie Untersuchungen gezeigt haben – möglicherweise effektiver. Denn sie erleichtern nicht nur das Einschlafen, sondern beeinflussen sogar positiv die Schlafstruktur, was den Erholungseffekt des Schlafes erhöht.

Was sollte man im Alltag beachten:
Bei chronischen Schlafproblemen ist es sinnvoll, bevor man einen Arzt konsultiert, eine Zeitlang ein Schlaftagebuch zu führen. Darin müssen aber neben den Erlebnissen während der Nacht auch alle Aktivitäten am Tag notiert werden. Das erleichtert dem Arzt die Diagnose, hilft aber auch dem Betroffenen zu sehen, wo etwaige Zusammenhänge zwischen seiner Schlafstörung und seinem Alltag bestehen.

Zubereitungen aus folgenden Heilpflanzen können helfen: Baldrian (z.B. Sedonium®), Kombination aus Baldrian, Hopfen und Melisse (z.B. Euvegal®, Sedacur®).

Zuletzt überprüft am 8. Juli 2016