Musik wirkt gegen Schmerzen

Die größten Effekte wurden bei postoperativen Schmerzen erzielt.

Musik gut gegen Schmerzen

Musikhören kann die Intensität von Schmerzen, insbesondere von postoperativen Schmerzen  reduzieren, wodurch sich der Verbrauch von Schmerzmedikamenten verringern lässt. Wer Musikstücke hört, die er mag, kennt das Gefühl, wenn Melodien Wohlbehagen oder Gänsehaut auslösen, fröhliche Stimmung schaffen oder Tränen in die Augen treiben. Musik führt aber nicht nur zu seelischen Reaktionen, sondern beeinflusst auch den Körper und kann sogar bei der Behandlung von Schmerzen wertvolle Unterstützung bieten.

In einer Auswertung von 51 älteren wissenschaftlichen Arbeiten, die den Effekt von Musik auf Schmerzen und ihre Therapie untersuchten, fanden Forscher der international tätigen Cochrane Collaboration eindeutige Belege dafür, dass  Musikhören die Intensität von Schmerzen reduzieren und dadurch auch den Verbrauch von Schmerzmedikamenten verringern kann. Die größten Effekte wurden mit Musik bei postoperativen Schmerzen erzielt.

In einer aktuellen kanadischen Studie hörten 60 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen zweimal am Tag 30 Minuten lang Musik, deren Auswahl sie selbst getroffen hatten. Patienten mit Rückenschmerzen, die keine Musik hörten, bildeten eine Kontrollgruppe. Nach sechs Wochen hatten die Patienten der Musikgruppe um 21 Prozent niedrigere Schmerz- und um 25 Prozent geringere Depressionswerte als die Kontrollpatienten. Gleichzeitig waren ihre Beweglichkeit und ihr Wohlbefinden um 18 Prozent gestiegen. Und was besonders wichtig ist: Eine Behandlung mit der Musik der eigenen Wahl hat keine unerwünschten Nebenwirkungen.

Der Musikforschung gelang es inzwischen auch genauer herauszufinden, was bei Musik im Körper  passiert. Entspannende Musik bewirkt einen Abfall des Blutdrucks, flachen Atem sowie eine Verengung der Pupillen. Sie verlangsamt den Puls und entspannt die Muskeln. Sie macht ruhig und schläfrig, ist aber gleichzeitig mit Lustgefühlen verbunden. Typisches Beispiel: ein Wiegenlied. Antriebsfördernd ist dagegen Musik mit straffen, beschleunigenden Rhythmen, betonten Dissonanzen und vorrangig aufwärts verlaufenden Melodien. Sie erhöht den Blutdruck, beschleunigt den Atem, führt zur Anspannung der Muskeln und weckt starke innere Erregung. Ein Paradebeispiel ist der Radetzkymarsch.

 

Zuletzt überprüft am 4. Juli 2016