Kaltes Wasser ist ein wirksames Naturheilmittel

Sebastian Kneipps Methode

Wasser ist ein Naturheilmittel

Die Anwendung von Wasser als Heilmittel ist vor allem mit einem Namen verbunden: Sebastian Kneipp. Als der Allgäuer Pfarrer 1897 im Alter von 76 Jahren starb, reichte seine Bekanntheit bis über den Atlantik hinaus und zu seinen Patienten gehörten so prominente Persönlichkeiten wie der österreichisch-ungarische Erzherzog Joseph. Einige Jahre davor befragte eine amerikanische Zeitung ihre Leser nach den bedeutendsten Persönlichkeiten der Gegenwart und Pfarrer Kneipp kam bei den Antworten – nach Präsident Roosevelt und dem Reichskanzler Bismarck – auf die dritte Stelle. Und das, obwohl er in seinem Leben kaum die Grenzen seines Landes verlassen hatte.

Warum war die Heilmethode eines Mannes, der nie Medizin studierte, so erfolgreich? Weil sie half! Inzwischen konnten ihre Grundsätze auch wissenschaftlich weitgehend belegt werden, sie wird deshalb auch heute noch – vor allem im Rahmen von Rehabilitation – in vielen Kliniken und medizinischen Einrichtungen durchgeführt. Die Methode besteht allerdings aus mehr als nur kaltem Wasser. Sie umfasst neben Wasserbehandlungen auch Bewegungstherapie, die Anwendung von Heilpflanzen und bezieht auch die Ernährung ein. Die fünfte Säule, die das Kneippsche Therapiegebäude trägt, nannte Kneipp „Ordnungstherapie“. Darin ging es vor allem um den Schlaf/Wach-Rhythmus, um Anstrengung und Erholung und um Auswirkungen seelischer Belastungen auf die Gesundheit eines Menschen und die Möglichkeiten die er hat, solche Belastungen zu bewältigen. Insgesamt ist also die Kneipptherapie auch eine Anleitung zum gesunden Leben und damit eine wirksame Prävention für so gut wie jedermann.

Den wichtigsten und originellsten Teil der Methode bilden aber in der Tat die Wasseranwendungen. Sie zeichnen sich durch eine außerordentliche Vielfalt aus und verfügt über weit mehr als 100 verschiedene Formen von sehr unterschiedlicher Intensität – von Waschungen über Wickel bis hin zu Güssen. Einige Grundsätze sind aber allen diesen Anwendungen gemeinsam: Das Ziel jeder Anwendung ist es, eine vitale Gegenreaktion des Körpers zu provozieren. Das bedeutet, dass nach einem Kältereiz als Gegenreaktion eine verstärkte Durchblutung folgen sollte, so dass an der Stelle, wo das kalte Wasser die Haut berührte, sich wohlige Wärme einstellt. Man kennt es beispielsweise von frierenden Händen im Winter, die, wenn man ins Haus kommt, richtig heiß werden. Deshalb darf bei Kneippschen Güssen kaltes Wasser nie auf kalte Körperteile aufgetragen werden. Ist man kalt, muss man sich vor der Anwendung durch Bewegung oder mit Hilfe warmen Wassers aufwärmen. Die Fläche, die man jeweils dem kalten Wasser aussetzt, darf außerdem nicht so groß sein, dass es der Organismus nicht mehr schafft, sie hinterher spürbar aufzuwärmen. Mit einem Guss fängt man immer von unten nach oben an und sollte die Intensität der regelmäßigen Anwendung nur langsam steigern.

Zuletzt überprüft am 6. Juli 2016