Bei BLASENPROBLEMEN

NICHT JEDE FRAU WILL ANTIBIOTIKA

Entzündungen der Harnwege haben von Oktober bis Ende Februar Hochkonjunktur. Suchen Frauen jetzt mit den typischen Symptomen wie Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen und Krämpfen im Schambereich einen Arzt auf, bekommen sie in aller Regel ein Antibiotikum verordnet. Doch viele Frauen haben keine Lust mehr, immerzu neue Antibiotika  zu schlucken und suchen nach anderen Wegen, wieder gesund zu werden. Heilmittel auf pflanzlicher Basis spielen deshalb auch in der Behandlung dieses frauentypischen Gesundheitsproblems eine zunehmende Rolle, berichteten Wissenschaftler kürzlich auf einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin (KFN) in München.

„Viele meiner Patientinnen lehnen aus Angst vor den Nebenwirkungen die Einnahme von Antibiotika ab“, sagte Dr. Dorothee Struck, Gynäkologin und Ärztin für Naturheilverfahren aus Kiel. „Antibiotika schädigen die Besiedelung mit gesunden Lactobazillen. Das begünstigt das Wachstum von Vaginal-Pilzen und führt so zu einem Ping-Pong zwischen Harnwegsinfekt und Scheidenpilz. Antibiotika schwächen auch das lokale Mikrobiom , also die Darmflora  und fördern so die Entstehung weiterer Infekte“.

Wissenschaftlich untermauert werden die praktischen Erfahrungen der Kieler Gynäkologin durch eine Studie niederländischer Wissenschaftler. Dr. Bart J. Knottnerus und sein Team am Department für Allgemeinmedizin der Universität Amsterdam führten bei 137 Patientinnen in 20 Praxen in und um Amsterdam eine Befragung durch. Sie wollten wissen, ob die Frauen, die unter akuten, jedoch unkomplizierten Harnwegsinfekten litten, bereit waren, zunächst auf die Einnahme von Antibiotika zu verzichten. 51 Patientinnen (37%) erklärten sich damit einverstanden.

Die Nachuntersuchung nach einer Woche ergab: 28 der 51 Frauen benötigten immer noch kein Antibiotikum. 20 von diesen 28 Patientinnen waren auch ohne Antibiotikum bereits beschwerdefrei.

Laut Dr. Dorothee Struck hat sich bei vielen Frauen, die an unkomplizierten Blasenentzündungen oder stetig wiederkehrenden Harnwegsinfekten leiden, eine Therapie mit pflanzlichen Senfölen aus Kapuzinerkresse  (Tropaeolum majus) und Meerrettich  (Armoracia rusticana) als wirksam  erwiesen. Diese Heilpflanzen enthalten jeweils mehrere und von der chemischen Struktur leicht unterschiedliche Senfölglycoside, die auch Isothiocyanate genannt werden. Das Wirkprinzip beruht wie bei anderen pflanzlichen Extrakten, die gegen Bakterien wirksam sind, auf Vielstoffgemischen. Das bedeutet: Verschiedene pflanzliche Wirksubstanzen treten mit ihren Eigenschaften dem Problem entgegen. Die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit der Senföle wurde in zahlreichen Studien belegt.

„Der Wunsch der Frauen nach weniger Chemie wächst unverkennbar“, stellte Frauenärztin Dr. Dorothee Struck fest. „Antibiotika bleiben uns zwar als ‚scharfe Therapie-Waffe’ weiterhin erhalten. Unser Ziel muss es jedoch sein, die Antibiotika-Verordnungen zu reduzieren, um ihre unerwünschten Wirkungen zu vermeiden und Resistenzentwicklungen  vorzubeugen“.

Quellen:

Struck D. Vortrag KFN-Pressekonferenz, 14.09.2016, München

Knottnerus B J et al., BMC Fam Pract. 2013 May 31;14:71. doi: 10.1186/1471-2296-14-71.t zu Rate ziehen.

Zuletzt überprüft am 7. Oktober 2016