Hilfreiche Bakterien

Das Mikrobiom hält uns gesund

Wir sind besiedelt! Bakterien, Hefepilze und viele andere Mikroorganismen finden auf und in unserem Körper Schutz und Nahrung. Allein im menschlichen Darm  leben schätzungsweise hunderttausend Milliarden Mikroben – das sind zehnmal mehr als wir Körperzellen besitzen. Früher nannte man die kleinen Mitbewohner „Darmflora“; heute spricht man von der Darm-Mikrobiota und meint damit die Gesamtheit aller im Darm vorkommenden Bakterien, Archaeen, Viren, Pilze und höheren Einzeller. Diese Mikroben sind für unser körperliche Entwicklung und unser Wohlergehen von enormer Bedeutung und müssen bei der Wahl von Arzneimitteln stärker berücksichtigt werden.
Nicht nur unser Darm beherbergt Mikroben. Auf den rund zwei Quadratmetern Haut eines Erwachsenen leben etwa so viele Winzlinge wie Menschen auf der Erde. Und auch in Nase, Mund, Rachen, Vagina und auf dem Penis finden Mikroben ihr Auskommen. Als Nahrung dienen dort Schuppen oder Mineralstoffe, Fette und andere Sekrete aus den Poren von Haut und Schleimhäuten. Manche Mikroben überleben nur in einem bestimmten Körperteil, andere dagegen fühlen sich überall wohl. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Menschen. Von den 500 bis 1.000 Arten, die im Mund leben können, kommen nur 100 bis 200 bei einem bestimmten Menschen vor. Je genauer man hinsieht, umso mehr Arten findet man: Auf der Zunge leben andere Mikroben als am Zahnfleisch, auf der Innenseite eines Zahns sind es andere als außen. Auch die Hände ein und derselben Person sind unterschiedlich besiedelt: 83 Prozent der Arten leben entweder auf der rechten oder auf der linken Handfläche. Selbst unsere Lungen sind nicht keimfrei, wie man bisher dachte: Immerhin 2.000 Mikroben aus insgesamt 128 verschiedenen Arten fanden die Genforscher auf jedem Quadratzentimeter Lungengewebe. All diese Lebewesen wurden anhand ihrer Gene identifiziert. Und auch die Blase  besitzt ihre eigene Mikrobiota. Diese neuen Erkenntnisse sollten künftig stärker bei der Behandlung von Infektionen der Harnwege oder anderer Erkrankungen berücksichtigt werden. Pflanzenmedikamenten kommt hier eine besondere Rolle zu, da sie die körpereigene Mikrobiota deutlich weniger schädigen als die oft verheerend wirkenden Antibiotika.
Das Mikrobiom ist bei jedem Menschen anders zusammengesetzt und ändert sich im Laufe der Zeit. Das fängt schon bei der Geburt an: In welcher Klinik oder in welchem Haushalt kommt das Kind zur Welt? Von welchen Menschen wird es angefasst? Davon hängt es ab, mit welchen Keimen es zuerst in Berührung kommt. Welche Mikroben den anfangs sterilen Darm des Neugeboren besiedeln, bleibt also dem Zufall überlassen. Auch die Art der Geburt spielt eine wichtige Rolle. Durch Kaiserschnitt geborene Babys nehmen völlig andere Bakterien auf – nämlich die der mütterlichen Haut – als solche, die den natürlichen Geburtskanal passiert haben. Einigen von ihnen wird das zum Verhängnis: Kaiserschnittbabys leiden häufiger an Hautinfektionen durch einen bestimmten Staphylococcus-Stamm; möglicherweise fehlt ihnen ein Schutzschild durch die Mikroben aus dem mütterlichen Geburtskanal. Außerdem haben solche Kinder öfter Asthma und Allergien. Wenn das Kind heranwächst, verändern sich die Bedingungen im Darm. Auch seine Ernährung beeinflusst die Zusammensetzung des Mikrobioms. Tatsächlich lässt sich an der Darm-Mikrobiota eines Babys ablesen, ob es gestillt oder mit Formelnahrung gefüttert wird. Ob sich diese Unterschiede bis ins Erwachsenenalter halten und welche Auswirkungen sie haben, ist noch nicht erforscht.

Zuletzt überprüft am 27. September 2016