Phytopharmaka

Sanfte Hilfe aus Melisse, Hopfen, Baldrian oder Lavendel im Kampf gegen Stress

Phytopharmaka aus Lavendel können gegen die weit verbreiteten Leiden Stress, Nervosität, Unruhe und Burnout helfen. Zum Abbau der Belastungen bieten sich verschiedene Strategien an: Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training können ebenso hilfreich sein wie Änderungen des Lebensstils oder eine Psychotherapie. Eine besondere Hilfe bieten pflanzliche Arzneimittel. Sie haben drei gewichtige Vorzüge: Anders als etwa Benzodiazepine machen Phytopharmaka nicht abhängig. Im Gegensatz zu synthetischen Sedativa beeinträchtigen sie nicht die Fahrtüchtigkeit. Und nicht zuletzt sind sie für den Organismus besser verträglich als die genannten Medikamente.

Für den Einsatz bei stressbedingten Problemen und Erschöpfungssymptomen wie Burnout eignen sich vor allem Phytopharmaka mit beruhigenden, entspannenden, den Geruchssinn stimulierenden und so genannten adaptogenen Wirkungen. Zu den gut untersuchten und durch europäische Pflanzenmonografien abgesicherten Pflanzenarzneien mit entsprechenden Wirkungen zählen verschiedene Zubereitungen aus Lavendelblüten, Hopfenzapfen, Melissenblättern, Baldrianwurzel, Passionsblume und Rosenwurz. Dies berichtete Professor Dr. Andreas Hensel, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Universität Münster, auf einer Informationsveranstaltung des Komitee Forschung Naturmedizin (KFN).

„Eine Renaissance erlebt zurzeit Lavendel bei der Behandlung von leichten Stress- und Erschöpfungssymptomen“, so Professor Hensel vor der Fachpresse in München. Die beruhigende Wirkung von Lavendel haben schon die alten Römer zu schätzen gewusst, und noch heute ist Lavendelduft ein wichtiger Bestandteil vieler kosmetischer Produkte. Vor einigen Jahren konnten Forscher ein spezielles Lavendelöl entwickeln, das zur Herstellung eines modernen Phytopharmakons geeignet ist: Seine beruhigende Wirkung ist in mehreren wissenschaftlichen Studien gegenüber einem wirkstofffreien Präparat (Placebo) und im Vergleich mit dem synthetischen Wirkstoff Lorazepam bestätigt worden.

Aus Passionsblumen zubereitete Arzneimittel entfalten ebenfalls beruhigende und angstlösende Wirkungen auf das zentrale Nervensystem. Das ergab eine randomisierte placebokontrollierte Studie an 16 Männern und Frauen im Alter von 30–70 Jahren, deren Hirnströme vor und nach der Einnahme des Pflanzenpräparats mittels EEG gemessen wurden. Dabei zeigten sich deutliche Veränderungen in den EEG-Profilen, welche die entspannenden Effekte widerspiegeln. Die beruhigende Wirkung trat bereits 30 Minuten nach der Einnahme der Arznei ein und erreichte nach 3 Stunden ihren Höhepunkt – ohne dabei Wachheit und Konzentration der Probanden zu beeinträchtigen.

Einige Pflanzen steigern durch spezielle Inhaltsstoffe die Widerstandskräfte des Organismus gegenüber Stress. Zu diesen so genannten Adaptogenen zählen das Chinesische Spaltkörbchen (Schisandra chinensis) und die Rosenwurz (Rhodiola rosea). Wie Professor Hensel berichtet, sind mit Schisandra bei menschlichen Probanden leistungssteigernde Effekte und eine beschleunigte Erholung nach körperlicher Erschöpfung nachgewiesen worden. Rennpferden verhalf das pflanzliche Mittel zu einer messbaren Steigerung der Leistungen.

Adaptogene Wirkungen zeigen auch bestimmte Inhaltsstoffe der Rosenwurz – einer Heilpflanze, die in der Arktis und in den Gebirgsregionen Eurasiens und Nordamerikas beheimatet ist. Ihre Wirkstoffe aktivieren die Ausschüttung wichtiger Botenstoffe und Hormone in der sogenannten Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenmark-Achse. In einer Studie bewirkte ein spezieller Extrakt aus dem Wurzelstock der Rosenwurz eine deutliche Verbesserung der emotionalen, seelischen und körperlichen Beschwerden von Burnout-Patienten und steigerte zudem die Konzentrationsfähigkeit der Studienteilnehmer.

Quellen:  Wieners S., Rosenwurz ist ein effizientes Adaptogen, Phytokompass 2 (2015), S 22-24

Lekomtseva et al. Bulletin of Siberian Medicine 12 (5), 2013, 73-75

Dimpfel W, Koch K, Weiss G. Single dose effects of Pascoflair® on current source density (CSD) of human EEG. Neuroscience & Medicine 2012; 3: 130-140

Zuletzt überprüft am 9. Oktober 2016