Sommerzeit

Natürliches Licht stellt innere Uhren richtig

In jedem Organismus steckt eine innere Uhr, die Tag und Nacht läuft und alle Lebensfunktionen steuert. Am deutlichsten merkt man es am Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Wissenschaft konnte aber nachweisen, dass auch andere Funktionen ähnliche, regelmäßig wiederkehrende Veränderungen durchmachen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass der sogenannte zirkadiane Rhythmus des Menschen, also der 24 Stunden-Rhythmus, vom Zeitgeber Licht gesteuert wird, der die biologische Uhr organisiert.  Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Melatonin, ein im Gehirn produziertes Hormon. Im Laufe der Nacht steigt der Melatoninspiegel im Körper an und erreicht bei den meisten Menschen gegen drei Uhr morgens den Höchststand. Unter dem Einfluss von Tageslicht geht er wieder zurück.

Einen aktuellen Beitrag zu diesem Thema lieferten Forscher vom Labor für Chronobiologie und Schlaf der Universität Colorado in Boulder.  Sie haben acht freiwillige Versuchspersonen zunächst in ihrem üblichen Alltag untersucht und stellten fest: Deren Tagesrhythmus war – wie für moderne Menschen in einer elektrisch erleuchteten Umgebung typisch – um etwa zwei Stunden gegenüber dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus im Sommer verschoben. Die Messung des Melatoninspiegels ergab: Die Innere Uhr der Probanden ging um zwei Stunden nach. Sie neigten dazu, bis Mitternacht wach zu bleiben und erst um etwa acht Uhr morgens aufzustehen.

Nachdem aber die Gruppe eine Woche beim Campen in den Rocky Mountains verbrachte, wo abends nur das Licht des Lagerfeuers flackerte, verschwand innerhalb von sieben Tagen die zweistündige Zeitverspätung. Der nun gemessene Melatonin-Gehalt begann etwa bei Sonnenuntergang anzusteigen und fiel dann gleich nach Sonnenaufgang, noch bevor die Probanden wach wurden. Dabei schliefen aber die Probanden genauso lange wie zu Hause. Sie wurden abends jedoch schneller müde und wachten morgens im natürlichen Tageslicht früher auf.

Solche Beobachtungen brachten einige europäische Länder bereits im Jahre 1916 auf die Idee, eine – wie es damals hieß „Tageslicht sparende Zeit“ – also die Sommerzeit einzuführen. Nach der aktuellen EU-Regelung werden die Uhren jeweils am letzten Wochenende im März auf Sommerzeit umgestellt.

Das bereitet aber vielen Menschen Probleme, die dem von Fernreisen bekannten Jetlag ähneln. Bei der Bewältigung dieser Schwierigkeiten kann das Wissen um die Rolle des Tageslichts in der Regulierung des Tag-Nacht-Rhythmus helfen. Wenn man sich nämlich aktiv dem Tageslicht aussetzt, wird man schneller wach. Schichtarbeitern raten dagegen Experten, sich auf dem Heimweg nach der Arbeit mit einer Sonnenbrille vor dem Tageslicht zu schützen und im Schlafzimmer für Dunkelheit zu sorgen. Nur so kann ihr Gehirn das müde machende Melatonin produzieren, das ihnen auch tagsüber zu einem erholsamen Schlaf verhilft.

Zuletzt überprüft am 5. Juli 2016