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Nachdem die protektive Wirkung von Ginkgo biloba auf das Hirngewebe gegenüber hypoxischen Schäden durch Studien bewiesen wurde, galt die nächste Frage den Inhaltsstoffen, die für diese Wirkung verantwortlich sind. Wegen seiner antagonistischen Wirkung am PAF-Rezeptor wurde vor allem dem Ginkgolid B eine neuroprotektive Wirkung zugeschrieben. Da der Hauptanteil der Nicht-Flavonfraktion von Ginkgo von Bilobalid gebildet wird, überprüfte die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Josef Krieglstein vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Philipps-Universität Marburg im Tiermodell die zerebroprotektiven Aktivitäten sowohl von Bilobalid als auch Ginkgoliden.

Material und Methodik

Die neuroprotektiven Effekte wurden untersucht am fokalen Ischämie-modell der Maus und Ratte bzw. am globalen Ischämiemodell der Ratte sowie in vitro an kultivierten Neuronen, die aus dem Hippocampus der Ratte und dem Telencephalon von Hühnerembryonen isoliert wurden. Prüfsubstanzen waren der Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761, Ginkgolide und Bilobalid.

Für die Untersuchungen an den Ischämiemodellen wurden die täglich frisch hergestellten Lösungen der Prüfsubstanzen in unterschiedlichen Konzentrationsstufen s.c. verabreicht. Kontrolltiere erhielten eine wirkstofffreie Lösung. Zwei Tage nach dem artifiziellen Verschluss der mittleren Zerebralarterie wurden die Größe und das Volumen der Infarktareale gemessen.

Für die in-vitro-Experimente wurden Ginkgolid A und B sowie Bilobalid gelöst und den Zellkulturen 30 Minuten vor einer artifiziellen Zellschädigung zugefügt. Neben der Glutamattoxizität an den Neuronen des Rattengehirns wurde die durch Cyanid induzierte zytotoxische Hypoxie an den Gehirnzellen der Hühnerembryonen analysiert.

Ergebnisse

Die Untersuchungsergebnisse am fokalen Ischämiemodell zeigten, dass sich durch das 60 Minuten vor Ischämie applizierte Bilobalid Infarktgröße und Infarktvolumen signifikant verringerten. Dieser Effekt war dosisabhängig. Es wurden Dosen zwischen 5 und 20 mg/kg Körper-gewicht verabreicht.

Bilobalid, unmittelbar nach dem Verschluss der A. cerebri media appliziert, reduzierte in der Dosis von 10 mg/kg Körpergewicht ebenfalls die Infarktgröße. Wurde Bilobalid erst 60 Minuten nach der Ischämie injiziert, war keine Wirkung zu erzielen.

Auch die Ginkgolide A und B zeigten in Konzentrationen von 50 bzw. 100 mg / kg Körpergewicht vergleichbare zerebroprotektive Effekte im fokalen Ischämie-Modell. Ginkgolid C und J hingegen blieben ohne Wirkung. Der Gesamtextrakt in Dosierungen bis zu 200 mg/kg reduzierte die Infarktgröße nicht.

Ein neuroprotektiver Effekt des Bilobalids und des Extraktes konnte am globalen Ischämiemodell der Ratte nicht nachgewiesen werden. EGb 761-Gesamtextrakt in einer Dosierung von zweimal 100 mg/kg, 15 und 45 Minuten nach der globalen Ischämie intravenös appliziert, steigerte den zerebralen Blutfluss in den meisten der untersuchten 18 Hirnregionen signifikant, wirkte jedoch nicht neuroprotektiv.

Die in-vitro-Modelle zeigten, daß Ginkgolid B (1µM) und Bilobalid (10µM) in der Lage sind, die kultivierten Zellen des Rattenhippocampus vor den durch Glutamat erzeugten Schädigungen zu bewahren. Bilobalid(0,1µM) schützte die Neuronen in den Hühnerembryonen-Kulturen vor hypoxischen Schäden durch 1mM Cyanid.

Fazit: Die Ergebnisse belegen, daß Bilobalid ebenso wie die Ginkgolide A und B zu den neuroprotektiv wirkenden Inhaltsstoffen von Ginkgo biloba-Extrakt gehören. Der Extrakt und seine Inhaltsstoffe üben unterschiedliche neuroprotektive und zerebrovaskuläre Effekte aus.

(Quelle: Josef Krieglstein, Franz Ausmeier, Hanan El Abhar, Klaus Lippert, Matthias Welsch, Katrin Rupalla, Petra Henrich-Noack: Neuroprotective effects of Ginkgo biloba constituents. European Journal of Pharmaceutical Sciences 3 (1995): 39-48)