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Agnus castus zeigt günstigen Einfluss auf Zyklusstörungen

Zyklusstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der gynäkologischen Praxis. Sie reichen von Tempo- und Typusanomalien bis hin zu dysfunktionellen Blutungen. Ziel einer großangelegten Anwendungsbeobachtung von Dr. med. R. Mergner, Amberg, war es, die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Agnus-castus-haltigen Kombination im Hinblick auf eine Zyklusregulierung an einem umfangreichen Patientenkollektiv zu überprüfen.

Material und Methodik

In die unter den Bedingungen der gynäkologischen Praxis multizentrisch angelegte Anwendungsbeobachtung wurden 1307 Frauen mit verschiedenen Formen von Zyklusstörungen im durchschnittlichen Alter von 31,2 Jahren aus insgesamt 219 Prüfzentren aufgenommen.

Für die Dauer von 3 Monaten erhielten sie zweimal täglich 30 Tropfen einer Agnus-castus-haltigen Zubereitung (entsprechend einer Tagesdosis von 32,4 mg Agnus-castus-Extrakt) kombiniert mit Caulophyllum thalictroides D4, Cyclamen D4, Ignatia D6, Iris D2 und Lilium tigrinum D3.

Erfasst wurden Störungen des Zyklustempos, Typusanomalien und dysfunktionelle Blutungen. Mehrfachnennungen – beispielsweise sowohl eine Tempoanomalie als auch eine Zusatzblutung – waren möglich.
Zielvariable war der Unterschied in Bezug auf das Vorhandensein von Zyklusstörungen vor bzw. nach der dreimonatigen Anwendung des Prüfpräparates.

Ergebnisse

  • Die verkürzte Zyklusdauer bei 192 Frauen mit Polymenorrhoe vor Therapiebeginn hat sich durch die Behandlung in 139 Fällen (72,4 Prozent) normalisiert.
  • Von den 287 Frauen, die an Oligomenorrhoe litten, gaben bis zum Ende der Studie 187 (65,4 Prozent) eine normales Menstruationsintervall an.
  • 50 Patientinnen litten an sekundärer Amenorrhoe. In 31 Fällen (62 Prozent) kam es unter der Behandlung zum Wiederauftreten der Regelblutung.
  • Eine verstärkte Blutung (Hypermenorrhoe) kam bei 339 Patientinnen vor. Sie reduzierte sich in 234 Fällen (69 Prozent) auf eine physiologische Blutungsstärke.
  • Bei 115 Patientinnen mit verminderter Blutungsstärke (Hypomenorrhoe) führte die Behandlung in 74 Fällen (64,3 Prozent) zu einer normalen Blutungsintensität.
  • Verlängerte Blutungen (Menorrhagie), die 273 Frauen angegeben hatten, normalisierten sich innerhalb des Behandlungszeitraumes in 193 Fällen (70,7 Prozent) auf eine normale Dauer von 4-6 Tagen.
  • Prä- oder postmenstruelle Blutungen gaben 280 bzw. 164 Patientinnen an, während 279 ovulationsbedingte Zwischenblutungen und 241 irreguläre Schmierblutungen aufwiesen. 49 litten schließlich an Metrorrhagie. Für diese dysfunktionellen Blutungen ergaben sich Erfolgsraten zwischen 75,6 und 81,7 Prozent.
  • Von den 585 an Dysmenorrhoe leidenden Frauen konnten die schmerzhaften Regelblutungen in 388 Fällen (66,3 Prozent) gebessert werden.

Störungen des Menstruationszyklus, die vorher nicht bestanden hatten, gaben während des Behandlungszeitraumes insgesamt sechs Patientinnen an. In 36 Fällen wurde über leichtere Befindlichkeitsstörungen berichtet, wobei für ein Drittel kein Zusammenhang mit der Prüfmedikation festzustellen war.

Fazit: Die hohen therapeutischen Erfolgsraten bei nahezu völliger Nebenwirkungsfreiheit rechtfertigen einen primären Therapieversuch mit der Agnus-castus-haltigen Kombination bei Störungen des weiblichen Zyklus, bevor andere Therapiemaßnahmen, bei denen möglicherweise ein höheres Arzneimittelrisiko in Kauf genommen werden muss, angewandt werden.

(Quelle: R. Mergner: Zyklusstörungen, Therapie mit einem Vitex-agnus-castus-haltigen Kombinationsarzneimittel. Der Kassenarzt, Heft 7, 1992: 51-60)