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Crataegus-Spezialextrakt WS 1442 steigert die Kontraktionskraft am insuffizienten humanen Myocard

Im Gegensatz zur kurzfristigen Anwendung haben sich in der Langzeit-therapie chronisch herzinsuffizienter Patienten Substanzen, die cAMP-abhängig die Kontraktionskraft steigern, im Bezug auf die Mortalität als ungünstig erwiesen. Pharmaka, welche cAMP-unabhängig eine positiv inotrope Wirkung über Blockade der Na+/K+-ATPase ausüben, scheinen hingegen für eine Dauerbehandlung in hohem Maße geeignet zu sein. Ziel einer Untersuchung, die von der Arbeitsgruppe um R.H.G. Schwinger von der Klinik III für Innere Medizin der Universität zu Köln durchgeführt wurde, war es, zu prüfen, ob und über welche pharmakologischen Angriffspunkte der standardisierte Crataegus-Spezialextrakt WS 1442 am insuffizienten menschlichen Myocard die Kontraktionskraft zu steigern vermag.

Material und Methodik

Das für die experimentelle Analyse dienende linksventrikuläre insuffiziente Myocard stammte von Patienten, die sich aufgrund einer terminalen Herz-insuffizienz (dilatative Kardiomyopathie NYHA IV) einer Herztransplantation unterziehen mußten. In den isolierten Myocardpräparationen wurde die Kraftentwicklung des menschlichen Myocards in Gegenwart von WS 1442 gegenüber der Lösungskontrolle gemessen.
Um das Wirkprofil von WS 1442 näher beschreiben zu können, wurden außerdem weitere über definierte Extraktionsverfahren gewonnene Fraktionen des Extraktes, die sich in ihrem Procyanidingehalt unterschieden und von Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel, Karlsruhe, zur Verfügung gestellt wurden, in gleicher Weise geprüft. Des weiteren wurde der Einfluß von WS 1442 bzw. seiner Unterfraktionen auf die spezifische Bindung von 3H-Ouabain an die sarkolemmale Na+/K+-ATPase und auf die Aktivität der zytoplasmatischen Adenylatzyklase gegenüber einem Stimulator der Adenylatzyklase (Gpp(NH)p) analysiert. Hierzu wurde das Operationsmaterial über spezifische Membranpräparationsverfahren weiter aufbereitet.

Ergebnisse

WS 1442 und seine Fraktionen verdrängten konzentrations-abhängig 3H-Ouabain von seinen spezifischen Bindungsstellen an der sarkolemmalen Na+/K+-ATPase des menschlichen Myokards. Der Extrakt bzw. die Fraktionen zeigten in den untersuchten Konzentrationen jedoch keinen Einfluß auf die Adenylatzyklase. Nur die Vergleichssubstanz Gpp(NH)p vermochte ihre Aktivität zu stimulieren.

In den isolierten, elektrisch stimulierten Myokardpräparationen steigerten WS 1442 wie auch seine Unterfraktionen die Kraftentwicklung signifikant, und im Vergleich zur Lösungs-kontrolle war in Gegenwart des Extraktes die schrittweise Erhöhung der Stimulationsfrequenz stets von einer Zunahme der Kontraktionskraft begleitet.

Fazit: Crataegus-Spezialextrakt WS 1442 ist, ähnlich wie Herzglykoside, in der Lage, cAMP-unabhängig die Kontraktionskraft des insuffizienten humanen Myokards zu steigern und die Kraft-Frequenz-Beziehung zu optimieren. Crataegus scheint aufgrund der vorliegenden Daten über eine direkte positiv inotrope Wirkung mit Angriffspunkt an der Na+/K+-ATPase die myokardiale Funktion bei Herzinsuffizienz günstig zu beeinflussen und kann deshalb für eine Langzeittherapie dieser Erkrankung als geeignet betrachtet werden.

(Quelle: K. Brixius, K. Frank, G. Münch, J. Müller-Ehmsen, R.H.G. Schwinger: WS 1442 (Crataegus-Spezialextrakt) wirkt am insuffizienten Myocard Kontraktionskraft-steigernd. Herz Kreislauf – Zeitschrift für Kardiologie und Angiologie in Klinik und Praxis, 30. Jhrg. Nr. 1, Januar, 1998: 28-33)