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Crataegusextrakt: In-vitro- und in-vivo-Untersuchungen zeigen kardioprotektive Wirkung von oligomeren Procyanidinen

Die koronare Herzkrankheit ist eine der häufigsten Ursachen der Herzinsuffizienz. Besonders Patienten, die bereits einen Myokardinfarkt erlitten haben oder gleichzeitig eine linksventrikuläre Dysfunktion aufweisen, sind durch das Risiko eines plötzlichen Herztodes in hohem Maße gefährdet. In etwa 80 Prozent wird dieser durch ventrikuläre Tachyarrhythmien und Kammerflimmern ausgelöst, deren Auftreten unter anderem reperfusionsbedingten kardialen Schädigungen zugeschrieben wird. Da die Lipidoxidation und der Elastaseaktivität neutrophiler Leukozyten als wesentliche Pathomechanismen dieser Schädigungen gelten, prüften Shyam Sunder Chatterjee et al. von der Pharmakologischen Abteilung und der Abteilung für Naturstoffchemie der Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel GmbH, Karlsruhe, in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Pharmakologie der Schlesischen Akademie für Medizin Zabrze (Polen), inwieweit Crataegusextrakt WS 1442 und daraus gewonnene Fraktionen in der Lage sind, diese beiden Parameter zu beeinflussen.

Material und Methodik

Prüfpräparat war Crataegus-Spezialextrakt WS 1442, aus dem durch spezielle Extraktionsverfahren drei Fraktionen gewonnen wurden. In der lipohilen Fraktion A reicherten sich besonders Flavonverbindungen an, in der niedermolekularen wasserlöslichen Fraktion B fanden sich etwa 67,9 Prozent der Inhaltsstoffe des Gesamtextraktes wieder und die weitgehend flavonfreie Fraktion C wies einen hohen Gehalt an oligomeren Procyanidinen auf.

Die Hemmung der Lipidperoxidation des Gesamtextraktes und der drei Fraktionen wurde in vitro, unter Nutzung lipidreichen Gewebes aus Mäusegehirnen, mittels Chemiluminiszenz bestimmt. Für die Erfassung der proteolytischen Elastaseaktivität aus humanen Leukozyten dienten enzymatische Verfahren. Zusätzlich wurde die Fraktion, die sich in vitro als die wirksamste erwies (Fraktion C) in einem kardialen Reperfusionsmodell an Ratten auch in vivo auf ihre kardioprotektive Wirkung hin untersucht. Hierzu wurden 32 Tiere in 2 Gruppen aufgeteilt und vor der experimentellen Ischämie und Reperfusion mit der Prüfsubstanz (20 mg/kg Körpergewicht pro Tag) gegenüber einer Kontrollsubstanz für die Dauer von 6 Tagen vorbehandelt.

Ergebnisse

Die lipophile flavonreiche Fraktion A des WS 1442-Gesamtextraktes verhielt sich hinsichtlich ihres hemmenden Effektes auf die Aktivität der humanen Leukozyten-Elastase ähnlich wie der Gesamtextrakt. Die Radikalfängereigenschaften im Hinblick auf die Lipidperoxidation war aber nur halb so stark ausgeprägt wie bei WS 1442. Obwohl sich in Fraktion B ein großer Teil der in WS 1442 enthaltenen niedermolekularen wasserlöslichen Substanzen wiederfanden, konnte nur eine schwache Inhibierung der Lipidperoxidation und Elastase-Aktivität festgestellt werden. Hingegen verfügte die flavonfreie, dafür an oligomeren Procyanidinen reiche Fraktion C über ein signifikant höheres Hemmpotential bei beiden Parametern als der Gesamtextrakt selbst. In vivo wurden für die Fraktion C bereits in einer Dosierung von 20 mg/kg Körpergewicht ähnliche kardioprotektive Wirkungen festgestellt, wie sie in früheren Untersuchungen für Dosen von 100 mg/kg des Gesamtextraktes beobachtet werden konnten.

Fazit: Die Ergebnisse deuten darauf hin, daß die Radikalfänger-eigenschaften und elastasehemmende Potenz von Crataegusextrakt an der kardioprotektiven Wirkung beteiligt sein können. Sie belegen außerdem, daß die oligomeren Procyanidine als wichtige, aktiv wirksame Inhaltsstoffe von Crataegus betrachtet werden müssen.

(Quelle: Shyam Sunder Chatterjee, Egon Koch, Hermann Jaggy, Tadeusz Krzeminski: In-vitro- und in-vivo-Untersuchungen zur kardioprotektiven Wirkung von oligomeren Procyanidinen in einem Crataegusextrakt aus Blättern und Blüten. Arzneimittelforschung / Drug-Research, 47 (II9. 821- 825, 1997)