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E-Zigaretten: Konsum birgt Gesundheitsrisiken

Der Konsum von E-Zigaretten, der als „gesündere“ Alternative zum Tabakrauchen eingeführt wurde, birgt ein erhebliches gesundheitsschädigendes Potenzial. Dies belegen zahlreiche Studien und klinische Beobachtungen. Die Gefahr besonders für Lunge und Herz-Kreislauf wird unterschätzt, mahnten Friedrich J. Wiebel und Koautoren vom Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit anlässlich des Weltnichtrauchertag 2019. Inzwischen liegen weitere aktuelle Ergebnisse vor, die diesen Appell untermauern.

In den elektronisch gesteuerten E-Zigaretten wird aus einer Flüssigkeit, die meist aus Propylenglykol und Glyzerin besteht, ein Aerosol erzeugt, das Nikotin und/oder andere Genussstoffe enthält. In den Nikotinaerosolen befinden sich 90 bis 95 Prozent weniger Schadstoffe als im Tabakrauch aus herkömmlichen Zigaretten. Die Folgerung, dass E-Zigaretten entsprechend weniger schädlich für Lunge und Herz-Kreislauf sind als Tabakzigaretten, geht auf Publikationen zurück, die vor 2017 erschienen sind. Inzwischen machen aber die Ergebnisse zahlreicher aktueller Studien eine Neubewertung der Situation erforderlich, so Wiebel – und dies umso mehr, da der Konsum von E-Zigaretten seit Jahren zunimmt und vor allem die Zahl der Jugendlichen, die E-Zigaretten für sich entdecken, rapide steigt.

Die Autoren des Arbeitskreises nahmen Bezug auf 19, meist in den Jahren 2018 und 2019 publizierte Studien, in denen E-Zigaretten mit Tabakzigaretten verglichen wurden: 15 Human-Studien (Raucher, Ex-Raucher und Nichtraucher) und fünf Studien an Versuchstieren.

Insgesamt betrug die Wirkstärke des E-Zigarettenaerosols mindestens 50 Prozent und mehr, im Vergleich zu der des Tabakrauchs. Dies deckt sich mit negativen Wirkungen auf den Respirationstrakt mit einem überproportional erhöhten Risiko für chronische Bronchitis und Asthma, die unter E-Zigaretten-Konsum nachgewiesen wurden. Ebenso fanden sich Beeinträchtigungen am kardiovaskulären System wie Effekte auf Puls, Blutdruck, Gefäßfunktion oder Blutgerinnung. Daneben gibt es Hinweise auf Veränderungen am Immunsystem bei E-Zigaretten-Gebrauch.

 

E-Zigaretten sind keine „gesündere“ Alternative zum Tabakrauchen. Vor allem das Risiko schwerer Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen wird unterschätzt. Besonders gefährdet sind sogenannte Doppelnutzer.

 

Schwere Erkrankungen sind zu befürchten

Diese Ergebnisse wecken die Befürchtung, so Wiebel und Kollegen, dass auch der Dampf von E-Zigaretten – ähnlich wie Tabakrauch der herkömmlichen Zigaretten – bei chronischem Genuss schwere und tödliche Krankheiten von Lungen und Herz-Kreislauf wie COPD, Herzinfarkt und Schlaganfall verursachen könne. Allerdings sind sich die Experten einig, dass weitere Daten über längere Zeiträume gesammelt werden müssen, um verlässlichere Aussagen machen zu können. Erste Ansätze dazu lieferte eine Längsschnittstudie der Universität von Kalifornien in San Francisco, die Dharma N. Bhatta und Stanton A. Glantz (UCSF Center for Tobacco Control Research and Education) durchgeführt haben. Es handelte sich um eine Analyse der Daten von 32.000 Erwachsenen über deren E-Zigaretten- und Tabakgewohnheiten sowie Neuerkrankungen der Lunge in den Jahren 2013 bis 2016.

Die Auswertung der Analyse ergab, dass E-Zigaretten-Konsum einen unabhängigen Risikofaktor darstellte und die Wahrscheinlichkeit für aktuelle und ehemalige E-Zigaretten-Konsumenten, eine chronische Lungenerkrankung zu erwerben, um den Faktor 1,3 erhöht war. Bei Tabakrauchern lag dieser Faktor bei 2,6. Als die am höchsten risikobelastete Gruppe stellten sich jedoch die Doppelnutzer heraus, also Menschen, die gleichzeitig herkömmliche Zigaretten und E-Zigaretten verwendeten; ihr Risiko an Lungenleiden zu erkranken, war mehr als verdreifacht. Dieser Befund fällt umso mehr ins Gewicht, da der duale Zigarettenkonsum von Rauchern am häufigsten praktiziert wird, erklärte Glantz in einer Pressemitteilung der Universität. Zwar könnten Raucher ihr Erkrankungsrisiko durch einen Wechsel von Tabakzigaretten auf E-Zigaretten reduzieren, aber in der Studie fanden die Autoren heraus, dass weniger als ein Prozent der Raucher letztlich vollständig auf E-Zigaretten umgestellt hatte.

Darüber hinaus betonte Glantz, dass die Studienergebnisse nichts mit EVALI (E-Zigarette oder Vaping Product Use-Associated Lung Injury) zu tun haben, der akuten Lungenerkrankung, die erstmals Mitte 2019 in den USA gemeldet wurde. Dabei handelte es sich um schwere Lungenschäden, die zum Teil eine Intensivbehandlung erforderten und auch zu Todesfällen führten. Wissenschaftler arbeiten noch daran, die genauen Ursachen von EVALI aufzudecken.

Zusammenfassend erklärte Glantz: „Die Studie trägt zu der wachsenden Erkenntnis bei, dass E-Zigaretten langfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben und die Tabakepidemie verschlimmern.“ Anlässlich der Veröffentlichung dieser Studienergebnisse warnte die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) wiederholt vor dem Gebrauch von E-Zigaretten und forderte die Bundesregierung auf, unverzüglich ein umfassendes Werbeverbot auch für elektronische Rauchprodukte durchzusetzen. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat aufgrund wachsender Zahlen zum E-Zigarettenkonsum aktuelle Informationen, Warnungen und Empfehlungen herausgegeben.

 

Dr. Dagmar van Thiel

PK 2/2020

Quellen: Bhatta DN, Glantz SA. As-sociation of E-Cigarette Use With Respiratory Disease Among Adults: A Longitudinal Analysis. Am J Prev Med. 2020; 58(2):182-190. doi:10.1016/ j.amepre.2019.07.028 Pressemitteilung der Universität von Kalifornien in San Franzisco (UCSF) (www.ucsf.edu/news)

Information der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) (www. pneumologie.de/aktuelles-service) Informationen der Weltgesundheits-organisation (WHO) zu E-Zigaretten (www.who.int/news-room)