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Hyperforin wirkt gegen resistente Bakterienstämme

Bereits in den 50er Jahren berichteten russische Wissenschaftler über antibakterielle Eigenschaften von Johanniskraut, wobei sie diese Effekte dem Inhaltsstoff Hyperforin zurechneten. Seine chemische Struktur konnte 1975 aufgeklärt werden: Es besteht aus einem Phloroglukinolgerüst, das – ähnlich wie Antibiotika – mit lipophilen Isoprenketten ausgestattet ist. Da aber gereinigtes Hyperforin sehr instabil ist, konnte seine antimikrobielle Kapazität experimentell nicht nachgeprüft werden. Die Arbeitsgruppe um Christoph M. Schempp von der Abteilung für Dermatologie und Medizinische Mikrobiologie der Universität Freiburg versuchte es mit Hilfe einer neuen Untersuchungsmethode.

Material und Methoden

Für die Untersuchung wurde das Hyperforin in einem Reinigungsgrad von mehr als 90 Prozent in Phosphat-gepufferter Kochsalzlösung aufgelöst und mit Müller-Hinzen-Agar (pH 7,4) weiter verdünnt. Die den mikrobiellen Kulturen zugefügten Hyperforin-Konzentrationen betrugen 0.1, 1.0, 10 und 100 µg/ml. Die getesteten Mikroorganismen stammten aus dem Type Culture Collection (ATCC), Manassas, VA/USA bzw. aus klinisch gewonnenen Isolaten des eigenen Institutes.

Ergebnisse

Während bei den gramnegativen Bakterien und bei Candida albicans die Prüfsubstanzen keine Effekte zeigten, erfuhren die grampositiven Bakterien bereits ab einer Hyperforin-Konzentration von 0.1 µg/ml eine deutliche Wachtumshemmung. Sogar Staphylokokkus aureus-Stämme, die resistent gegen mehrere Penicilline, Cephalosporine, Erythromycin, Clindamycin, Ofloxacin, Gentamycin und Piperacillin (Taxobactam) waren, erwiesen sich gegenüber Hyperforin als empfindlich. Die Toxizität auf mononukleäre Zellen des peripheren Blutes war dagegen sehr gering.

Im Hinblick auf die Bioverfügbarkeit konnten frühere Untersuchungen von Biber et al. bestätigt werden, nach denen durch orale Applikation von Johanniskraut-Extrakten Hyperforin-Serumspiegel von bis zu 500 mg/ml erreicht werden können.

Fazit: Die experimentellen Untersuchungen lassen die Möglichkeit einer systemischen antimikrobiellen Anwendung von Hyperforin zu. Die Daten belegen außerdem, dass die traditionelle lokale Behandlung infizierter Wunden und ekzematöser Hautläsionen mit Hyperforin-haltigen Johanniskraut-Zubereitungen eine rationale Grundlage besitzen.

(Quelle: C. M. Schempp, K. Pelz, A. Wittmer, Erwin Schöpf, J. C. Simon: Antibacterial activity of hyperforin from St. John’s wort, against multiresistant Staphylococcus aureus and gram-positive bacteria. The Lancet, Vol. 353, June 18, 1999).