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Die natürliche Bewaldung fällt weltweit der Kommerzialisierung zum Opfer – mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Bildnachweis: AdobeStock_156095781_Simon

Infektionen: Misswirtschaft an Wäldern befeuert Risiken

Eine neue Studie französischer Forscher unterstreicht den Zusammenhang zwischen weltweit zunehmender Entwaldung und Ausbrüchen von Infektionskrankheiten, speziell von Vektorenerkrankungen und Zoonosen. Die Ergebnisse der Untersuchung liefern darüber hinaus Belege dafür, dass auch Wiederaufforstungen Epidemien von Infektionskrankheiten Vorschub leisten können. Denn nicht nur die Abholzung der Wälder stellt global eine Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt dar, auch die monokulturellen Anpflanzungen (insbesondere Ölpalmenplantagen) auf Kosten natürlich angesiedelter Biotope wie Grasland, spielen dabei ebenfalls eine bedeutende Rolle. Die Eingriffe in die Natur haben negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, wie die jüngsten Berichte der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervorheben.

Die französischen Wissenschaftler Dr. Serge Morand von der Universität Montpellier und Dr. Claire Lajaunie von der Universität Aix-Marseille werteten für ihre Untersuchungen globaler Trends bezüglich Veränderungen der Waldbedeckung und Infektionskrankheiten der letzten Jahrzehnte unter anderem Informationen aus der hierzu besten verfügbaren GIDEON-Datenbank aus. Sie ermittelten, dass ein Anstieg der Ausbrüche von Vektorenerkrankungen und Zoonosen zwischen 1990 und 2016 mit der Entwaldung, insbesondere in tropischen Ländern, vergesellschaftet war. Zugleich fiel auf, dass die Zunahme eben dieser Infektionskrankheiten in Ländern in der gemäßigten Klimazone mit Wiederanpflanzungen zusammenhing. So zeigte sich, dass Ausbrüche vektorübertragener Krankheiten mit der gesteigerten Verbreitung von Palmölplantagen in Verbindung gebracht werden konnten.

 

Eine neue Studie französischer Forscher unterstreicht den Zusammenhang zwischen weltweit zunehmender Entwaldung und Ausbrüchen von Infektionskrankheiten, speziell von Vektorenerkrankungen und Zoonosen. Die Ergebnisse der Untersuchung liefern darüber hinaus Belege dafür, dass auch Wiederaufforstungen Epidemien von Infektionskrankheiten Vorschub leisten können. Denn nicht nur die Abholzung der Wälder stellt global eine Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt dar, auch die monokulturellen Anpflanzungen (insbesondere Ölpalmenplantagen) auf Kosten natürlich angesiedelter Biotope wie Grasland, spielen dabei ebenfalls eine bedeutende Rolle. Die Eingriffe in die Natur haben negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, wie die jüngsten Berichte der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervorheben. Die französischen Wissenschaftler Dr. Serge Morand von der Universität Montpellier und Dr. Claire Lajaunie von der Universität Aix-Marseille werteten für ihre Untersuchungen globaler Trends bezüglich Veränderungen der Waldbedeckung und Infektionskrankheiten der letzten Jahrzehnte unter anderem Informationen aus der hierzu besten verfügbaren GIDEON-Datenbank aus. Sie ermittelten, dass ein Anstieg der Ausbrüche von Vektorenerkrankungen und Zoonosen zwischen 1990 und 2016 mit der Entwaldung, insbesondere in tropischen Ländern, vergesellschaftet war. Zugleich fiel auf, dass die Zunahme eben dieser Infektionskrankheiten in Ländern in der gemäßigten Klimazone mit Wiederanpflanzungen zusammenhing. So zeigte sich, dass Ausbrüche vektorübertragener Krankheiten mit der gesteigerten Verbreitung von Palmölplantagen in Verbindung gebracht werden konnten. Beeinträchtigung wichtiger Ökosysteme Gemäß früherer Berichte ist ein Viertel des weltweiten Waldverlusts auf Rodung zugunsten von Bedarfsgüterlieferanten wie Soja, Palmöl, Holzfasern oder Rinderzucht zurückzuführen. Die Gesamtrate dieser konsumgetriebenen Entwaldung ist seit 2001 nicht mehr zurückgegangen. Die Umwandlung von Wäldern in Rohstoffquellen wie Ölpalmenanpflanzungen kann verschiedene Ökosystemfunktionen beeinträchtigen, wie zum Beispiel die Kohlenstoffbindung und die Bodenregeneration. Die Rolle der Waldbestandsveränderungen wurde bisher noch nicht detailliert geklärt. Allerdings stellt es sich als schwierig dar, das Konglomerat der zusätzlich in Frage kommenden Einflussfaktoren, wie andere Landnutzungsanpassungen, Demografie oder die Jagd, auf die Zunahme von Infektionskrankheiten zu entwirren. Einige Hinweise haben sich jedoch herauskristallisiert. So zeigte eine kürzlich in Südostasien durchgeführte Metaanalyse, dass die zunehmende Prävalenz vektorübertragener Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya mit den Landumwandlungen (einschließlich der Wälder) zu Teakholz-, Gummi- und Ölpalmenplantagen korrelierte. Auch haben Studien veranschaulicht, dass mehrere Faktoren für die Ausbrüche von Ebola in Afrika sowie von Nipah-Virusinfektionen oder Plasmodium knowlesi-Malariaausbrüchen in Südostasien verantwortlich waren. In Brasilien wurden kürzlich Malariaepidemien ebenfalls als Begleitphänomene der Entwaldung benannt, genauso wie in anderen tropischen südamerikanischen und afrikanischen Ländern. Aber auch in gemäßigten Breiten wie Nordamerika und Europa ließen sich die Risiken für das Auftreten der Lyme-Borreliose mit dem Schlagen von Waldbeständen und der Anlage von Plantagen zur kommerziellen Verwendung, die die konventionelle Landwirtschaft ablösten, in Verbindung bringen. Die Autoren der aktuellen Studie fordern aufgrund ihrer Daten, dass sich Wissenschaftler und Entscheidungsträger in den Gesundheitswesen und der Politik verstärkt für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen und unter Berücksichtigung der Gesundheitsrisiken einer weltweiten Misswirtschaft am Wald – Rodung und Aufforstung eingeschlossen – gegensteuern sollten. Dr. Dagmar van Thiel PK 4/2021 Quelle: Morand S, Lajaunie C: Outbreaks of Vector-Borne and Zoonotic Diseases Are Associated With Changes in Forest Cover and Oil Palm Expansion at Global Scale. Front. Vet. Sci. 2021; 8: 661063. doi:10.3389/fvets.2021.661063

Die natürliche Bewaldung fällt weltweit der Kommerzialisierung zum Opfer – mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.

Bildnachweis: AdobeStock_156095781_Simon

 

Beeinträchtigung wichtiger Ökosysteme

Gemäß früherer Berichte ist ein Viertel des weltweiten Waldverlusts auf Rodung zugunsten von Bedarfsgüterlieferanten wie Soja, Palmöl, Holzfasern oder Rinderzucht zurückzuführen. Die Gesamtrate dieser konsumgetriebenen Entwaldung ist seit 2001 nicht mehr zurückgegangen. Die Umwandlung von Wäldern in Rohstoffquellen wie Ölpalmenanpflanzungen kann verschiedene Ökosystemfunktionen beeinträchtigen, wie zum Beispiel die Kohlenstoffbindung und die Bodenregeneration. Die Rolle der Waldbestandsveränderungen wurde bisher noch nicht detailliert geklärt. Allerdings stellt es sich als schwierig dar, das Konglomerat der zusätzlich in Frage kommenden Einflussfaktoren, wie andere Landnutzungsanpassungen, Demografie oder die Jagd, auf die Zunahme von Infektionskrankheiten zu entwirren. Einige Hinweise haben sich jedoch herauskristallisiert. So zeigte eine kürzlich in Südostasien durchgeführte Metaanalyse, dass die zunehmende Prävalenz vektorübertragener Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya mit den Landumwandlungen (einschließlich der Wälder) zu Teakholz-, Gummi- und Ölpalmenplantagen korrelierte. Auch haben Studien veranschaulicht, dass mehrere Faktoren für die Ausbrüche von Ebola in Afrika sowie von Nipah-Virusinfektionen oder Plasmodium knowlesi-Malariaausbrüchen in Südostasien verantwortlich waren. In Brasilien wurden kürzlich Malariaepidemien ebenfalls als Begleitphänomene der Entwaldung benannt, genauso wie in anderen tropischen südamerikanischen und afrikanischen Ländern. Aber auch in gemäßigten Breiten wie Nordamerika und Europa ließen sich die Risiken für das Auftreten der Lyme-Borreliose mit dem Schlagen von Waldbeständen und der Anlage von Plantagen zur kommerziellen Verwendung, die die konventionelle Landwirtschaft ablösten, in Verbindung bringen.

Die Autoren der aktuellen Studie fordern aufgrund ihrer Daten, dass sich Wissenschaftler und Entscheidungsträger in den Gesundheitswesen und der Politik verstärkt für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen und unter Berücksichtigung der Gesundheitsrisiken einer weltweiten Misswirtschaft am Wald – Rodung und Aufforstung eingeschlossen – gegensteuern sollten.

 

Dr. Dagmar van Thiel

 

Quelle: Morand S, Lajaunie C: Outbreaks of Vector-Borne and Zoonotic Diseases Are Associated With Changes in Forest Cover and Oil Palm Expansion at Global Scale. Front. Vet. Sci. 2021; 8: 661063. doi:10.3389/fvets.2021.661063

 

PK 4/2021