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Johanniskraut bei schwerer Depression: Studie belegt therapeutische Äquivalenz mit Imipramin

Nachdem die antidepressive Wirksamkeit hochdosierter Johanniskraut-extrakte für die Indikationen leichte bis mittelschwere Depression sowohl gegenüber Placebo als auch im Vergleich mit Imipramin belegt werden konnte, hat die Arbeitsgruppe um Dr. E. Vorbach von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Evangelischen Krankenhaus Elisabethenstift, Darmstadt, eine vergleichende Untersuchung der beiden Medikamente Johanniskrautextrakt LI160 und Imipramin bei Patienten mit ausgeprägter Depression durchgeführt.

Patienten und Methodik

In die randomisierte im doppelblinden Parallelgruppenvergleich angelegte Studie wurden insgesamt 209 Patienten im Alter von 18 bis 70 Jahren, die entsprechend ICD 10 an einer rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig schwerer Episode litten, eingeschlossen. Sie wurden für die Dauer von 6 Wochen entweder mit dem Johanniskrautextrakt LI 160 in einer täglichen Dosierung von dreimal 600 mg oder mit Imipramin dreimal 50 mg behandelt. Eine Placebogruppe konnte aus ethischen Gründen nicht gebildet werden.

Der Untersuchungsperiode war deshalb eine 5- bis 7tägige einfachblinde wash-out-Phase vorgeschaltet, in der Patienten, die sich innerhalb dieses Zeitraums um mehr als 20 Prozent auf der Hamilton-Depressionsskala (HAMD) besserten, als Placebo-Responder ausgeschlossen wurden. Weitere Ausschlußkriterien waren Suizidalität, Patienten mit depressiven Wahninhalten, Schizophrenie sowie ausgeprägte Agitation, chronischer Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit.

Als psychotrope Begleitmedikation waren lediglich Chloralhydrat oder Lithiumsalze erlaubt, letztere allerdings nur dann, wenn sie mindestens 3 Monate vor Studienbeginn in stabiler Dosierung eingenommen worden waren.

Als Zielparameter wurde die antidepressive Wirkung der Medikationen anhand der Hamilton-Depressionsskala in einer 17 Item-Version und der Clinical Global Impression (CGI) sowie der Depressionsskala nach von Zerssen überprüft und unerwünschte Begleiteffekte dokumentiert. Außerdem erfolgten zu Beginn und am Schluss des Prüfzeitraums eine klinische Untersuchung einschließlich neurologischem und psychiatrischem Status sowie eine Bestimmung der Routinelaborparameter.

Ergebnisse

Der HAMD-Gesamtpunktwert nahm in beiden Behandlungsgruppen in vergleichbarem Ausmaß ab. In der LI 160-Gruppe sank er von durchschnittlich 25,3 Punkten auf 14,6 Punkte ab, in der Imipramin-Gruppe von 26,1 Punkten auf 13,4 Punkte. Die Depressionsskala nach von Zerssen bestätigte dieses Ergebnis: Die Gesamtpunktwerte fielen in der LI 160-Gruppe von 28,9 Punkten auf 16,5 Punkte ab, in der Imipramingruppe sanken sie von 28,5 Punkten auf 13,6 Punkte. In der globalen Wirksamkeitsbeurteilung gemäß CGI ergab sich ein Trend zugunsten von Imipramin.

Bei einer gesonderten Auswertung derjenigen Patienten, die eine HAMD-Reduktion von mehr als 50 Prozent aufwiesen, ergab sich folgendes Bild: Im LI 160-Kollektiv haben insgesamt 35 Prozent der Patienten eine HAMD-Besserung um wenigstens 50 Prozent erreicht, in der Imipramingruppe waren es 41 Prozent.

Bei der HAMD-Besserung um 33 Prozent ergab sich eine Responderrate von 57,9 Prozent für die LI 160-Behandlung und 62,7 Prozent für die Imipramingruppe. Da eine HAMD-Reduktion um ein Drittel bei schweren Depressionen als ein zufriedenstellendes Ergebnis betrachtet wird, spielt dieser Wert auch für den klinischen Alltag eine Rolle.

Während beim Hamilton-Gesamtpunktwert, der D-S-Skala und der CGI-Beurteilung der therapeutischen Effekte ein nicht signifikanter Trend zu Gunsten von Imipramin gefunden wurde, zeigte sich LI 160 in Bezug auf die Resporderraten und die globale Beurteilung durch Arzt und Patient gleichwertig.

Was die Verträglichkeit anbetrifft, erwies sich das Phytopharmakon im Vergleich zu Imipramin als signifikant überlegen. Über unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der Medikation haben in der LI 160-Gruppe insgesamt 23 Prozent der Probanden berichtet, in der Imipramingruppe waren es 41 Prozent.

Fazit: Die Ergebnisse der Vergleichsstudie zeigen, dass der Johanniskrautextrakt LI 160 in einer Dosierung von 1800 mg täglich auch bei schweren depressiven Episoden eine wirksame Therapie darstellt. Gegenüber Imipramin zeichnet sich das Phytopharmakon bei vergleichbarer Wirksamkeit durch eine signifikant bessere Verträglichkeit aus.

(Quelle: E. U. Vorbach, K. H. Arnold: Antidepressive Wirksamkeit und Verträglichkeit des hochdosierten Johanniskrautextraktes LI 160 im Vergleich mit 150 mg Imipramin. Psychopharmakotherapie Suppl. Nr. 8, 1998)