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Johanniskraut-Extrakt als Einmalgabe bei mittelschwerer Depression ist auch langfristig Sertralin ebenbürtig

Gerade bei depressiven Patienten trägt eine nur einmalige Einnahme eines Medikaments wesentlich zur Compliance bei. Erstmals verglich deshalb ein Team unterer der Leitung von Prof. Dr. med. M. Gastpar von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Essen in einer Langzeituntersuchung die Wirksamkeit des nur einmal täglich einzunehmendes Johanniskrautextrakts STW 3 mit der des Serotonin-Wiederaufnahmehemmers (SSRI) Sertralin.

Patienten und Methodik

241 Patienten zwischen 18 und 70 Jahren mit mittelschwerer Depression nach ICD-10-Kriterien wurden in die multizentrische, kontrollierte doppelblinde Studie aufgenommen und in zwei Gruppen randomisiert. 123 Probanden erhielten einmal täglich 612 mg des Hypericumextrakts STW 3, 118 Patienten 50 mg Sertralin.
Ausgeschlossen waren Patienten mit einer Psychose, einer Demenzerkrankung sowie solche, die als suizidgefährdet galten. Als ein Ausschlusskriterium galt auch eine bekannte Licht-Überempfindlichkeit.

Die Studienteilnehmer sollten in den letzten sechs Wochen vor Studienbeginn außerdem keine antidepressive Psycho- oder Pharmakotherapie erhalten haben.

Die Studie war in zwei Behandlungsphasen unterteilt. Während der ersten 12 Wochen erhielten alle Patienten die obige Prüfmedikation. 161 Patienten (78,5 Prozent) wurden anschließend weitere 12 Wochen wie vorher behandelt, 81 mit dem Hypericumextrakt, 80 mit Sertralin. Die übrigen Patienten blieben im zweiten Studienabschnitt ohne eine medikamentöse Behandlung.

Die Wirksamkeit der Behandlung wurde mit Hilfe der Hamilton-Depressions-Skala (HAMD-17) bewertet und mit den Ergebnissen auf der Befindlichkeitsskala (BfS) und der Clinical global impressions scale (CGI) verglichen. Primärer Zielparameter war die Vergleichbarkeit der Therapieerfolge zwischen STW 3 und Sertralin nach 12 Wochen Behandlung (Differenz kleiner als 3 Punkte gemessen mit HAMD-17). Als sekundärer Zielparameter diente die Responderrate. Als Responder galten dabei Patienten, die eine Besserung um mehr als 50 Prozent auf der HAMD-Skala erfahren haben, oder weniger 10 Punkte aufwiesen.

Ergebnisse:

106 Patienten aus der Hypericumgruppe und 99 Patienten aus der Sertralingruppe beendeten den ersten Studienabschnitt.

  • Ausgehend von gleichen HAMD-Basiswerten (22 Punkte) verbesserte sich der Zustand der Patienten innerhalb von 12 Wochen auf durchschnittlich 8,3 Punkte bei den mit Hypericum behandelten und auf 8,1 Punkte bei den Patienten unter Sertralin.
  • Auch die Responderrate war mit 68,6 Prozent unter STW 3 und 73,5 Prozent unter Sertralin vergleichbar.

Die Testung des Hypericum-Extraktes STW 3 auf therapeutische Gleichwertigkeit mit Sertralin erwies sich schon nach 12 Wochen als hochsignifikant (P<0,0001)

  • Bis zum Ende der Studie nach 24 Wochen verbesserte sich bei den weiter behandelten Patienten das Befinden nochmals: Unter STW 3 von 8,3 auf 5,7 und unter Sertralin von 8,1 auf 7,1 Punkte.
  • Der Anteil der Therapieresponder erhöhte sich nach den weiteren drei Monaten auf 84,0 Prozent in der STW 3-Gruppe und 81,3 Prozent in der Sertralin-Gruppe.

Diese Ergebnisse wurden sowohl durch BfS als auch durch CGI bestätigt.

Fazit: Johanniskraut-Extrakt ist bei mittelschwerer Depression auch in einer die Compliance fördernden Einmalgabe für die Langzeittherapie geeignet und dem SSRI  Sertralin in der Wirkung ebenbürtig.

(Quelle: M Gastpar, A. Singer, K. Zeller: Efficacy and Tolerability of Hypericum Extract STW3 in Long-term Treatment with a Once-daily Dosage in Comparison with Sertraline, Pharmacopsychiatry 2005; 38:78-87)