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Phytopharmaka spielen eine tragende Rolle

Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen – Phytopharmaka, Homöopathika und Antroposophika – haben in Deutschland eine traditionell starke Marktposition und spielen eine wichtige Rolle in der Selbstmedikation. Allein der Umsatz mit pflanzlichen Arzneimitteln ist 2018 um 1,9 Prozent auf 1,746 Milliarden Euro gewachsen – bei einem leichten Rückgang der verkauften Packungsmenge auf 174 Millionen. Das geht aus der im Mai vorgelegten Publikation „Der Arzneimittelmarkt in Deutschland“ des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller (BAH) hervor.

Stabil, aber moderat aufwärts: Das ist der Trend des Marktes für rezeptfreie Arzneimittel. 2018 belief sich der Umsatz auf 6,558 Milliarden Euro, ein Zuwachs um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch mengenmäßig hat das Marktvolumen zugenommen: um 1,7 Prozent auf 705 Millionen verkaufte Packungen. Das bedeutet: Jedes zweite Arzneimittel, das in Deutschland konsumiert wird, ist ein rezeptfreies Medikament. Der größte Teil davon wird von den Bürger eigenverantwortlich – gegebenenfalls mit Beratung des Apothekers – gekauft und aus eigener Tasche bezahlt: 587 Millionen Packungen (plus 2,1 Prozent) im Wert von 5,289 Milliarden Euro (plus 3,8 Prozent). Dagegen verharrt die von Ärzten verordnete Menge an OTC-Präparaten seit Jahren bei etwa 118 Millionen Packungen, der Umsatz stieg im letzten Jahr nur geringfügig um knapp 1,8 Prozent auf 1,289 Milliarden Euro. Das heißt: Der Umsatzzuwachs ist nur auf Preisanpassungen, möglicherweise auch auf strukturelle Veränderungen zurückzuführen.

Apotheken sind der wichtigste Vertriebsweg

Unter den rezeptfreien Arzneimitteln haben Phytopharmaka mit einem Umsatz von 1,746 Milliarden Euro (plus 1,9 Prozent) einen festen Stellenwert. Der nach wie vor größte Teil wird über Apotheken verkauft: 104 Millionen Packungen im Wert von 1,257 Milliarden Euro. Aber das Geschäft der Apotheken bröckelt etwas: Die verkaufte Packungsmenge ist mit minus 0,2 Prozent leicht rückläufig, der Umsatz wächst unterdurchschnittlich um 1,8 Prozent. Dagegen holt der Versandhandel weiter auf, legt bei der Menge um 2 Prozent auf 16 Millionen Packungen und beim Umsatz um 3,5 Prozent auf 253 Millionen Euro zu. Damit erreicht der Versandhandel inzwischen einen Marktanteil von 14,5 Prozent. Wirklich verloren hat der sogenannte „Mass-Market“, der Vertriebskanal etwa über Drogerien und Lebensmittelhandel: Der Umsatz war letztes Jahr um 2 Prozent auf 115 Millionen Euro rückläufig, die Menge ging sogar um 4 Prozent auf 35 Millionen Einzelpackungen zurück.

Ein nicht unerheblicher Anteil von pflanzlichen Arzneimitteln wird von Ärzten verordnet: 16 Millionen Packungen im Wert von 228 Millionen Euro, der Marktanteil der ärztlich verordneten Phytopharmaka liegt mengenmäßig bei 15 und wertmäßig bei rund 13 Prozent. Ähnlich ausgeprägt ist der Einfluss der Ärzte bei Homöopathika: 13,3 Prozent der insgesamt gut 54 Millionen verkauften Packungen geht auf eine ärztliche Verordnung zurück. Mit einem Anteil von 18,6 Prozent ist der Versandhandel etwas stärker repräsentiert. Die wichtigsten Indikationsgebiete für Phytopharmaka sind sonstige Atemwegserkrankungen und Hustenmittel, die es zusammengenommen auf fast 500 Millionen Euro bringen. Es folgen durchblutungsfördernde Mittel, Medikamente gegen Erkältung und grippalen Infekt sowie magen- und verdauungsfördernde Medikamente. Allein diese fünf Indikationen bestimmen in etwa die Hälfte des Umsatzes pflanzlicher Arzneimittel.

 

Durchregulierter Erstattungsmarkt

Für rezeptfreie Arzneimittel gilt eine Besonderheit: Ihre Preise sind nicht reguliert. Ursächlich dafür ist, dass diese Präparate nur in Ausnahmefällen von der GKV und der PKV erstattet werden. Hingegen ist der Markt der rezeptpflichtigen Arzneimittel seit Inkrafttreten des AMNOG durchreguliert:

  • aufgrund der Festbeträge seit dem Gesundheitsreformgesetz von 1989
  • aufgrund der Vereinbarung über Erstattungsbeträge nach der frühen Nutzenbewertung seit 2011 für Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen und
  • aufgrund des bis Ende 2021 laufenden Preismoratoriums für Arzneimittel, die weder einen Festbetrag noch einen Erstattungsbetrag haben.

Der Umsatz mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln stieg 2018 um 4,4 Prozent auf 48,9 Milliarden Euro. Hingegen wuchs die verordnete Menge in Packungseinheiten nur um 0,8 Prozent auf 744 Millionen. Mit 3,8 Prozent war das Umsatzwachstum im GKV-Markt, der ein Volumen von 43,8 Milliarden Euro erreichte, etwas geringer als im PKV-Markt mit 5,6 Prozent und einem Volumen von 7,9 Milliarden Euro (jeweils zu Apothekenverkaufspreisen). Hierbei handelt es sich jedoch um Bruttoumsätze, die noch keine Rabatte und Abschläge sowie die Selbstbeteiligung der Versicherten berücksichtigen. Das führt im einzelnen zu folgenden Entlastungen:

  • Besonders dynamisch steigt die Entlastung der Versicherer aufgrund der Erstattungsbetragsvereinbarungen nach dem AMNOG: 2,3 Milliarden Euro zugunsten der GKV und 303 Millionen Euro zugunsten der PKV.
  • Das Preismoratorium, das bis 2021 gilt, entlastete die GKV im vergangenen Jahr um 271 Millionen Euro, die PKV um 80 Millionen Euro.
  • Der gesetzliche Herstellerabschlag führt zu Entlastungen bei der GKV in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, bei der PKV von 200 Millionen Euro.

In der Summe sind dies 4,6 Milliarden Euro. Weitere 4,4 Milliarden Euro spart die gesetzliche Krankenversicherung aufgrund von individuellen Rabattverträgen zwischen einzelnen Kassen und Herstellern – nicht nur für Generika, sondern auch für Originale. Unter Berücksichtigung der Zuzahlungen von Patienten reduzieren sich die Bruttoumsätze der GKV auf eine Nettoversicherungsleistung für Arzneimittel von 34,4 Milliarden Euro.

Helmut Laschet